Berlin : "Körperwelten": Von Faszination bis Abscheu

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Der Bischof Georg Kardinal Sterzinsky kritisierte die gestern eröffnete Ausstellung präparierter menschlicher Leichen. Die Schau "Körperwelten" befriedige Voyeurismus, sagte Sterzinsky im SFB-Hörfunk. Er vermute, dass mit der Präsentation nach Art einer Kunstausstellung "auch künstlerischer Ehrgeiz befriedigt werden" solle. Niemand dürfe jedoch Leichen als Kunstobjekte verwenden. "Wer das tut, missbraucht sie, begeht Tabu-Bruch, handelt pietätlos und verletzt das Ehrgefühl des Menschen", erklärte der Kardinal, meldete die Agentur dpa.

Diejenigen, die zur Körperwelten-Ausstellung gingen, gaben sich indes fasziniert und begeistert, wie eine Umfrage ergab. "Noch nie hatte man die Möglichkeit, sich so intensiv mit seinem Körper zu befassen", sagte die 74-jährige Hildegard Skupch aus Prenzlauer Berg. Anna Yerzierzanska, 28, aus Lankwitz, findet "es faszinierend, zu sehen, wie der Körper so funktioniert". Etliche Besucher reisten extra zur Schau nach Berlin, wie etwa die 25-jährige Susanne, Krankengymnastin aus Erlangen: "Ich kann hier viele Kenntnisse auffrischen." Michael Wartmann aus Mariendorf läuft mit einer Krücke - der Gehbehinderte musste sich schon als Kind mit den Grenzen von Gesundheit auseinandersetzen. "Ich betrachte die Toten mit einem sehr ehrfürchtigen Gefühl", sagt der 38-jährige. Else Michaelis, 73, aus Weißensee findet es gut, "dass Tod kein Tabuthema ist", und ihr 76-jähriger Mann Horst würde sich selbst nach seinem Tod in den Körperwelten ausstellen lassen. Ist ihm der Gedanke nicht komisch? "Dann würden die Leute, die mich kennen, nur sagen: Mensch, hast du dir verändert", sagt er lächelnd. Inge Kelch, 61-jährige Treptowerin, hat sich nach der Ausstellung gleich Unterlagen zur Bewerbung als "Körperwelten"-Exponat mitgenommen: "Besser als verfaulen." Heike Grasser, 28-jährige Frau aus Tegel, ist eine der wenigen unangenehm berührten Besucher. "Ich habe ein Problem damit, ich bin eher nur durchgerannt, ohne genau zu gucken."

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