Berlin : "Körperwelten": Wer ist Professor von Hagens?

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"Der Professor ist im Prinzip da. Aber bitte sprechen Sie ihn nicht an." Von Hagens Sprecher bittet um Verständnis für den gestressten Meister. Er ist mit dem Nachtzug aus Heidelberg nach Berlin gekommen, hat nur zwei Stunden geschlafen. Sieben Körperwelten-Ausstellungen mit fast sieben Millionen Besuchern in fünf Jahren, die Leitung des Instituts für Plastination in Heidelberg und zweier Schwesterinstitute in China und in Kirgisien - das alles und noch viel mehr ist selbst für einen bekennenden Besessenen wie Gunther von Hagens zu viel.

Der heute 56-Jährige könnte auch anders, ruhiger, als beamteter Pathologe am Anatomischen Institut der Universität Heidelberg. Dort arbeitet von Hagens seit den siebziger Jahren, nach seinem Medizinstudium in Jena und in Lübeck. Unruhig wurde es, als er 1977 in Heidelberg die Plastination erfand: Körpern von Verstorbenen werden in einem Acetonbad Wasser und Fett entzogen und dann durch Kunststoff ersetzt. Zunächst wollte der junge Pathologe nur die medizinische Ausbildung verbessern. Auch heute verschickt das 1994 durch von Hagens in Heidelberg gegründete Institut für Plastination seine Präparate an Universitäten in aller Welt. Nach einer ersten, eher zufällig zustande gekommenen Ausstellung in den achtziger Jahren, kam die Idee der "Demokratisierung der Anatomie" dazu. Über die Jahre wurde aus dem Gedanken, die Leichenschau aus dem Anatomiesaal ins Museum, zu den medizinischen Laien zu bringen, die Ausstellung "Körperwelten. Die Faszination des Echten."

Gunther von Hagens tritt nicht im Arztkittel auf. Er trägt stets Hut und Lederweste und gleicht damit ein wenig dem Fluxuskünstler Joseph Beuys. Von Hagens ringt jedoch mit dem Kunstbegriff. Seine in Posen modellierten Ganzkörperplastinate wurden "zweckgerichtet zur Vermittlung anatomischer Einsichten geschaffen", schreibt von Hagens im Ausstellungskatalog. "Es wäre geradezu verfehlt, bei Gestaltplastinaten von Kunstwerken zu sprechen." Aber in einem Sinne fühlt sich von Hagens denn doch als Künster: "als Anatomiekünstler".

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