Berlin : Körting gibt ausländischen Eltern die Schuld

Der Innensenator meint: Fehlende Bereitschaft zur Integration befördert kriminelle Karrieren von Jugendlichen

Barbara Junge

Jugendbanden schlagen immer brutaler zu – und der Anteil ausländischer Jugendlicher dabei ist nach der jüngsten Kriminalitätsstatistik überdurchschnittlich. Jetzt fordert Innensenator Ehrhart Körting (SPD) auch Konsequenzen von den ausländischen Eltern. Die Eltern dieser Gewalttäter tragen nach seiner Ansicht Mitverantwortung für die Kriminalität ihrer Kinder. Die Weigerung vieler, sich in die deutsche Gesellschaft zu integrieren, fördere die kriminellen Karrieren.

„Die Kinder lernen kaum Deutsch, scheitern in der Schule, haben schlechte Chancen auf dem Arbeitsmarkt und verkehren nur in ihrem eigenen Milieu. Statt Integration steht am Ende Isolation und Ausgrenzung“. Der Weg von diesen Kindern sei zwar nicht vorgezeichnet, aber die Chancen, einen Weg in die Gesellschaft zu finden, sehr schlecht. Neben der Erfahrung von Gewalt im eigenen Elternhaus, Arbeitslosigkeit und einem milden Rechtssystem sei „die gesellschaftliche Ausgrenzung ein wesentlicher Faktor einer kriminellen Laufbahn“, sagt Körting. Der Innensenator hatte am Montag die Kriminalitätsstatistik für 2002 vorgelegt. Danach sind ausländische Jugendliche überdurchschnittlich häufig bei Raub, Gewalttaten, Körperverletzung und sexueller Bedrohung vertreten.

„Wir brauchen einen Mentalitätswechsel“, fordert Körting deshalb von den ausländischen Berlinern. Wenn etwa türkische Männer ihre Frauen oft noch immer aus den ländlichen Gebieten des Heimatlandes kommen ließen, dann sei das Ergebnis gewiss nicht Integration. „Natürlich ist der Nachzug auch mit der Integration zu vereinbaren“, sagte Körting, „aber nur, wenn man die Frauen nicht isoliert, sondern sie aktiv auch durch Sprachförderung integriert“.

Es gebe jedoch auch diejenigen, die sich bewusst für die Kriminalität entscheiden. „Wenn mir ein 18-Jähriger sagt, ich mache keine Ausbildung, als Türsteher im Puff verdiene ich viel besser, dann muss ich den nicht auch noch bedauern“, sagte Körting. So jemand müsse, wenn er kriminell werde, die Konsequenzen zu spüren bekommen. Mangelnde Konsequenzen indes, kritisiert Körting, fördern ebenfalls die kriminellen Karrieren. „Da ermuntere ich diese Leute doch nur, immer weiter zu gehen.“ Körting fordert ein entschiedeneres Einschreiten der Behörden. Im Fall des jugendlichen Serientäters Mahmoud konstatiert der Senator: „Die Instrumentarien reichen nicht aus“. Deshalb fordert Körting, dass künftig auch Informationen über die Haftverschonung eines Täters für die Polizei verfügbar sind. Hätte im Falle Mahmoud die Polizei durch einen Blick in den Computer erfahren können, dass dieser Jugendliche auf Haftverschonung ist, hätte sie ihn in Jugendhaft zurückbringen können.

Diese Anregung will Körting in die Gespräche mit der Staatsanwaltschaft einbringen. Außerdem will er, „dass eine Bewährung in einem Schnellverfahren zurückgenommen werden kann“. Bislang ist das sehr langwierig. Im Jugendstrafrecht jedoch hält Körting diesen Rechtsweg für falsch – da ohne erzieherische Wirkung. Eine Änderung der bundesweit gültigen Strafprozessordnung wäre dafür nötig. Körting will dies prüfen.

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