Körting im Interview : "Das ist leider noch nicht das Ende"

Er bewundert die New Yorker und Norweger, die nach den Anschlägen sagten: Jetzt erst recht Demokratie. Wie Innensenator Ehrhart Körting (SPD) die jüngsten Festnahmen und die Sicherheitslage seit dem 11. September 2001 beurteilt

von
Ehrhart Körting (SPD) ist seit dem Jahr 2001 der Berliner Senator für Inneres.
Ehrhart Körting (SPD) ist seit dem Jahr 2001 der Berliner Senator für Inneres.Foto: Thilo Rückeis

Herr Körting, ist Berlin mit der Festnahme der beiden Islamisten am Donnerstag nur knapp einem Anschlag entgangen?

Was die Männer geplant haben, wissen wir bislang nicht. Es gibt auch keine Hinweise auf eine Verbindung zu international agierenden Terrororganisationen wie zum Beispiel Al Qaida. Doch die Sicherheitsbehörden hatten die Männer schon lange im Visier. Es gab Anhaltspunkte, dass sie sich für Anleitungen zur Herstellung von Spreng- und Brandvorrichtungen interessieren. Am Donnerstag war der Zeitpunkt für den Polizeieinsatz gekommen. Die Maßnahmen zeigen, dass die Sicherheitsbehörden gut vernetzt sind und eine Gefahrenlage frühzeitig erkannt wird. Gerade auch, weil wir uns am Sonntag daran erinnern, was vor zehn Jahren am 11.September in den USA geschah, ist es wichtig, dass die Bevölkerung sich darauf verlassen kann: die Sicherheitsbehörden sind wachsam.

Welche Erinnerung haben Sie an den 11. September 2001?

Ich war im Büro, da kam eine Mitarbeiterin hereingestürzt. Sie sagte, es habe ein schreckliches Flugzeugunglück in New York gegeben. Dann habe ich den Fernseher angestellt – und mitbekommen, wie auch in den zweiten Turm des World Trade Centers eine Maschine flog. Und wie die Türme dann einstürzten. Ich war fassungslos.

9-11 - Rekonstruktion eines Vormittags
Der Moment. Am 11. September 2001 um 9:06 Uhr erfährt George W. Bush in einem Klassenraum in Florida von den Anschlägen. Andrew Card, der Stabschef des Weißen Hauses, platzt in den Unterricht und flüstert dem Präsidenten die Hiobsbotschaft ins Ohr.Weitere Bilder anzeigen
1 von 14Foto: Reuters
04.09.2011 14:18Der Moment. Am 11. September 2001 um 9:06 Uhr erfährt George W. Bush in einem Klassenraum in Florida von den Anschlägen. Andrew...

Wann war Ihnen klar, dass es sich um einen Terrorangriff handelt?

Als das zweite Flugzeug das World Trade Center traf. Relativ schnell wurde ja ein Bezug gesehen zu den schweren Anschlägen, die Al Qaida im August 1998 auf die amerikanischen Botschaften in Kenia und Tansania verübt hatte. Ich habe überlegt, was müssen wir jetzt zur Sicherheit tun. Das hat die Empörung über die Angriffe auf New York und das Pentagon in Washington in den Hintergrund gedrängt. Wir mussten mit nüchternem Kopf arbeiten.

Was haben Sie veranlasst?

Es gab sofort Dienstbesprechungen mit der Polizei und dem Verfassungsschutz. Wir konnten nicht ausschließen, dass weitere Anschläge kommen würden, womöglich auch auf symbolträchtige Ziele in Deutschland. Ich wollte wissen: Gibt es irgendetwas in Berlin, das auf eine solche Gefahr hindeutet? Polizei und Verfassungsschutz schauten sich alles an, aber es gab keine Hinweise.

In der Al-Nur-Moschee in Neukölln sollen Islamisten am 11. September gejubelt haben….

Solche Szenen gab es nicht nur in bestimmten Moscheen, sondern vereinzelt auch auf der Straße, nicht nur in Berlin. Das waren Menschen, die in ihrem Wahn gedacht haben, endlich trifft es die Amerikaner. Ich war empört, dass sich Menschen so verbiegen können, den Mord an anderen Menschen zu feiern. Wir haben dann im Rahmen der Terrorismusbekämpfung einige Moscheen stärker beobachtet und was einige Imame so predigen. Da gab es nicht nur Antiamerikanismus, sondern Hass auf die ganze westliche Lebensart. In den Jahren nach 9/11 habe ich dann die Ausweisung von zwei Predigern verfügt.

"Die Terrorgefahr ist für Berlin und für Deutschland insgesamt größer geworden." Warum, lesen Sie auf Seite zwei.

Seite 1 von 4Artikel auf einer Seite lesen

2 Kommentare

Neuester Kommentar