Kohlekraftwerk : Umweltverbände wollen es Vattenfall zeigen

Vattenfall plant ein Kohlekraftwerk, das pro Jahr vier bis fünf Millionen Tonnen des klimaschädlichen Kohlendioxids ausstoßen würde. Um das Kraftwerk zu verhindern, bereiten Naturschützer jetzt ein eigenes Energiekonzept vor.

Stefan Jacobs

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) will bis Ende März ein eigenes Konzept zur Wärmeversorgung Berlins erarbeiten – als Antwort auf die Planungen, die der Energiekonzern Vattenfall ebenfalls im März präsentieren will. Der entscheidende Punkt darin wird sein, ob das Kraftwerk Klingenberg in Lichtenberg durch einen mit Kohle befeuerten Neubau ersetzt werden soll. Mehrere Umweltverbände wollen gegen diese Option ab sofort öffentlich protestieren. Dazu wurde am Donnerstag eine Internetseite freigeschaltet: Unter der Adresse www.berlin-sagt-nein.de werden online Unterschriften gegen die Pläne gesammelt. Sie sollen später dem Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) übergeben werden. Auch Unterschriftensammlungen in Geschäften und auf Veranstaltungen sind geplant.

Der ursprünglich geplante Kraftwerksneubau von Vattenfall hätte pro Jahr vier bis fünf Millionen Tonnen des klimaschädlichen Kohlendioxids (CO2) ausgestoßen – fast ein Viertel aller derzeitigen Berliner Emissionen. Das auf der Klimakonferenz von Bali erklärte Ziel, den CO2-Ausstoß bis 2050 um 80 Prozent zu senken, wäre mit einem konventionellen Kohlekraftwerk dieser Größe nicht erreichbar gewesen. Nach massiven Protesten verordnete sich Vattenfall Stillschweigen – und überarbeitet die Pläne. Umweltverbände favorisieren eine teilweise dezentrale Versorgung der etwa 200 000 Wohnungen, die von dem heutigen, veralteten Kraftwerk Klingenberg mit Fernwärme versorgt werden. Als Kompromiss würden sie auch den Neubau eines wesentlich kleineren Gaskraftwerkes akzeptieren. Erdgas verbrennt deutlich sauberer als Kohle und lässt sich mit Biogas kombinieren. Nach Ansicht von BUND-Landesgeschäftsführer Andreas Jarfe wäre der Neubau sogar komplett überflüssig. Mit dem angekündigten Konzept soll das bewiesen werden.

Jürgen Quentin, Jurist bei der Deutschen Umwelthilfe, sieht die größten Einflussmöglichkeiten beim Bezirk: Der Baustadtrat könne ein Bebauungsplanverfahren anstoßen, um die Verschandelung der Stadt durch einen mehr als 100 Meter hohen Kühlturm zu verhindern. Zweiter Ansatzpunkt wäre die mit der Kohleverbrennung verbundene Schadstoffbelastung, etwa durch Quecksilber, Blei und Feinstaub. Baustadtrat Andreas Geisel (SPD) allerdings hält diese Vorschläge für „gut gemeint, aber schwer machbar“. Zum einen sei das Umfeld des heutigen Kraftwerkes im Flächennutzungsplan als Standort zur Energieversorgung ausgewiesen. Diese Vorgabe des Abgeordnetenhauses könne der Bezirk nicht ignorieren. Auch als Feinstaubquelle sei das Kraftwerk kaum gerichtsfest zu verbieten: „Wer legt denn die erlaubten Konzentrationen fest? Und für welchen Umkreis sollen sie gelten?“, fragt der Stadtrat, der betont: „Unsere Position im Bezirk ist eindeutig, dass wir keinen Kühlturm wollen.“ Aktiv werden könne man erst, wenn Vattenfall einen Bauantrag stelle.

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