Berlin : Kollateralschaden

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VON TAG ZU TAG

Werner van Bebber wartet

geduldig auf Helmut Kohl

Noch weiß man nichts über die Größe des Kohl-Porträts, das demnächst im Abgeordnetenhaus hängen soll, nichts über den Stil, in dem es gehalten ist, nichts über die Atmosphäre, die von ihm ausgehen wird. Sicher ist nur, dass der Berliner Ehrenbürger Helmut Kohl einen Anspruch auf bildliche Darstellung im Parlament hat.

Doch außer Kohl und dem Künstler, der ihn gemalt hat, kennt kaum einer das neue Bild. Das liegt daran, dass der Erwerbsprozess ein wenig ins Stocken geraten ist. Anders gesagt: Das Abgeordnetenhaus darf derzeit für Kunstwerke nichts ausgeben. Die Haushaltssperre des Finanzsenators verbietet das. Das Abgeordnetenhaus darf bloß anschaffen, was zur Aufrechterhaltung des Parlamentsbetriebes notwendig ist – Bleistifte, Kraftstoff für die Autos, Glühbirnen, Toilettenpapier. Aber keine Ölgemälde, weder in Übergröße noch als Miniatur, was bei Helmut Kohl ohnehin undenkbar ist. Kohl darf nicht zu Willy Brandt und Helmut Schmidt, bis Berlin einen beschlossenen Haushalt hat. Und es ist möglich, dass auf die aktuelle Haushaltssperre gleich eine neue folge. So bekommt Helmut Kohl etwas von der Berliner Finanzkrise mit. Kohls Finanzminister Theo Waigel hat zur Krise beigetragen, indem er zu Beginn der neunziger Jahre die Bundeshilfen drastisch kürzte. Manchmal gibt es ausgleichende Gerechtigkeit.

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