Kolumne "Hund und Herr" : Iiiiiiiiiiiih! Von wegen stubenrein

Helmut Schümann hat keinen Pubertisten mehr, dafür einen Hund. An dieser Stelle schreibt er, Schümann, nicht der Hund, immer Sonnabends über sein Leben als Welpenassistent in Berlin. Diese Mal über ganz schön stinkige Erfolgserlebnisse.

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Foto: Doris Spiekermann-Klaas

Wilmer sagt oft „Ahhhia!“ Anders als das „Mhmngmanney!“ des vormaligen Pubertisten ist „Ahhhia!“ keine Unmutsäußerung. „Ahhhia“ kommt nach dem Schlafen, ist verbunden mit einem Recken der Glieder und wird vom Welpenassistenten übersetzt als Kombination aus „Ahh“ („Mir geht es gut“) und „I“. Weil Wilmer auch bayerisches Blut in sich trägt, bedeutet Letzteres: „Ich!“ Wobei das „I“ drei Oktaven höher erklingt als das „Ahh“, sozusagen als spitz tönender Gipfel. Was das über das Selbstwertverständnis und die selbst empfundene Familienposition des Welpen aussagt, liegt auf der Pfote.

Wilmer hinterließ Spuren - der Assistent schleppte ihn unter die Dusche

Ansonsten ist Wilmer inzwischen stubenrein. Nur noch selten interpretiert er „stubenrein“ als „in die Stube rein“. Manchmal aber schaut der Assistent nicht richtig hin, wenn Wilmer immer wieder zur Tür läuft, und dann schauen er, der Assistent, oder Dr. Frauchen blöd, wenn Letztere mal wieder den Boden wischen müssen. Wilmer setzt dabei einen Blick auf, der zweifellos besagt: „Tja, wer zu spät schaut, den bestraft das Leben.“

Neulich hat er anders geschaut. Mehr so: „Was kann ich dafür?“ Das war, als der Assistent auf dem Sprung zur Arbeit war, fast saß er schon auf dem Rad. Wilmer hatte ein Bedürfnis, Dr. Frauchen war noch im Nachthemd. Der Assistent begleitete Wilmer nach unten und entsorgte sein Erfolgserlebnis ordnungsgemäß im Kotbeutel. Auf dem Rückweg roch Wilmer streng. Irgendwie scheiße.

Nachdem Wilmer die ersten Schritte in der Wohnung gemacht hatte, schrie Dr. Frauchen: „Oh, nein!“ Wilmer hinterließ Spuren, da lag etwas nicht auf der Pfote, sondern in ihr. Offensichtlich war Wilmer in das Erfolgserlebnis eines Kollegen getappt. „Schnapp dir Wilmer“, rief Dr. Frauchen. Mit einem Hechtsprung holte der Assistent den Welpen ein, schleppte ihn unter die Dusche, wusch ihm die Pfote. Dr. Frauchen wischte die Wohnung. Der nasse Wilmer trottete vorbei, legte sich in die Ecke und sagte „Ahhhia!“


Ab sofort jeden Sonnabend berichtet Helmut Schümann über sein Leben als "Welpenassistent" auf der ersten Seite im Lokalteil des Tagesspiegels und natürlich auch online unter: www.tagesspiegel.de/welpen

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