Kolumne Hund und Herr : Militante Hundehasser sind Gift-Talibane

Tote Tiere am Viktoria-Luise-Platz, Giftköder am Schlachtensee. Helmut Schümann, Welpenassistent seines Hundes Wilmer, kann nicht verstehen, dass Hundebesitzer und Nichthundebesitzer sich so freundlich begegnen wie Radler und Autofahrer. Eine Glosse.

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Foto: Doris Spiekermann-Klaas

Wilmer lehrt Dr. Frauchen gerade Aserbaidschanisch. Zumindest übt es, das Dr. Frauchen, und läuft etwa durch die Fußgängerzone der Wilmersdorfer Straße und sagt laut „Wuhhhf!“ So wie Wilmer es immer macht. „Wu!hhhf!“ Die Leute drehen sich schon um. Und der Welpenassistent kann nur mit den Schultern zucken und „Hundebesitzerin eben“ murmeln.

Hundebesitzer, das hat der Assistent inzwischen gelernt, neigen zur Narretei in ihrer Hundeverliebtheit. Der Welpenassistent will sich da gar nicht ausnehmen, auch wenn er nicht im Kino, kurz bevor der Film anfängt, noch einmal laut „Wu!hhhf“ in den Saal ruft, wie es Dr. Frauchen kürzlich gemacht hat. Wilmer lag da friedlich und allein daheim, und der Film hieß „Frau Müller muss weg“. Die Eltern, die in dem schönen Film eine Lehrerin wegmobben wollen, sind ungefähr genauso gaga wie Hundebesitzer.

Eine Hundenärrin hat der Welpenassistent kürzlich gesehen, die ihrer Töle ständig „Fein!“ hinterherrief. Im Zehnsekundenabstand. „Fein!“ Zehn Sekunden. „Fein!“ usw. Und dann erzählte sie, dass sie ihren Liebling nur biologisch ernährt und das Fleisch vorher andünstet, „Moment! Nur zart mit Petersilie durchköcheln“. Das sind skurrile Auswüchse der Hundenarretei. Es gibt auch ärgerliche.

Hundebesitzer, die die Kacke ihres Lieblings einfach liegen lassen, was in einer Stadt mit der Hundedichte Berlins eine Sauerei ist. Oder Hundebesitzer, die der Meinung sind, ihrem Liebling gehöre die Welt. Alleine. Und dann toben die Lieblinge durch die Straßen, durch Wälder und Parks, als gäb’s kein Morgen mehr und keine anderen Wesen. Die gibt es aber. Deren Unmut ist durchaus verständlich, denkt der Welpenassistent.

Die Beziehung zwischen Hundebesitzern und Nichthundebesitzern gleicht der zwischen Radfahrern und Autofahrern. Sie scheint unversöhnlich zu sein. Es gibt in beiden Lagern, um es mal in Wilmers unverblümter Sprache zu sagen, unglaubliche Arschlöcher, Wuhhhf! Was die, die auf der Hundeseite sind, machen, hat der Assi schon erzählt. „Eiteitei, mein Hund ist der schönste, größte, liebste Hund der Welt, und der schönste, größte, liebste Hund der Welt darf machen, was er will, ich bin keiner, der die Natur unterdrückt.“ Aber die andere Seite schlägt zurück. Am Viktoria-Luise-Platz in Schöneberg sind in der vergangenen Woche zwei Hunde verreckt, weil sie ausgelegte Giftköder gefressen haben. Am Schlachtensee, wo ab Frühling ein generelles Hundeverbot herrscht, sind auch Köder gefunden worden. Leberwurst, mit Schneckengift versetzt. Oder mit Rasierklingen. Liebe Hundehasser, das sind Taliban-Methoden! Wilmer, hat sich der Assi vorgenommen, darf jetzt draußen nur noch gucken, nicht fressen. Wu!hhhf!


Helmut Schümann

schreibt an dieser Stelle immer montags über sein Leben in Berlin mit seinem Hund Wilmer.

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