Kolumne Von Tag zu Tag : Gesundes Wrack

Bernd Matthies blättert in einem Interview mit Iggy Pop.

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ARCHIV - Der US-Sänger Iggy Pop tritt am 13.08.2010 beim Way Out West Festival in Göteborg, Schweden auf. Foto: BJORN LARSSON ROSVALL (zu dpa «Iggy Pop verließ Berlin als Wrack») +++(c) dpa - Bildfunk+++
ARCHIV - Der US-Sänger Iggy Pop tritt am 13.08.2010 beim Way Out West Festival in Göteborg, Schweden auf. Foto: BJORN LARSSON...Foto: dpa

Wer sich an die Achtzigerjahre erinnert, heißt es, der hat sie nicht erlebt. Für die Siebziger gilt das offenbar weniger, denn wir werden seit geraumer Zeit mit Erinnerungen über die Berliner Zeiten von David Bowie und Iggy Pop geflutet – und beide waren nachweislich am Leben, damals, 1976 ff., in der Hauptstraße 155.

Nun hat sich Iggy Pop geäußert, im Zeit-Magazin. Er zeigt immer noch gern die blanke, doch schon sehr gewelkte Brust, und er überliefert uns Berlinern einen schönen Satz, reif fürs Goldene Buch: „Ich kam kerngesund nach Berlin und ging als Wrack“.

Sehnse, det is Berlin, würde der Berliner sagen, hätter halt hier bleiben sollen. Aber die Wahrheit ist natürlich komplexer, sie liegt in Interview-Form vor und sieht so aus, dass der exzentrische Rock'n'Roller schon vorher in Los Angeles ziemlich am Boden war – und von David Bowie auf einer Tournee so intensiv aufgepäppelt wurde, dass ihm das gesunde Leben schon wieder auf den Wecker ging.

Berlin in den Achtzigern
Auf dem Winterfeldtplatz in Schöneberg hat Chris Bitchcowsky 1983 diese beiden Kinder fotografiert. In viel zu großen Schuhen stehen sie vor einem ruinösen Altbau. "Berlin stirbt abrißweise", ist daran zu lesen - ein Motto der West-Berliner Hausbesetzerbewegung jener Zeit. Liebe Leserinnen, liebe Leser: Senden Sie Ihre Fotos aus den Achtziger Jahren in Berlin an leserbilder@tagesspiegel.de!Weitere Bilder anzeigen
1 von 57Foto: Chris Bitchcowsky
29.03.2017 10:25Auf dem Winterfeldtplatz in Schöneberg hat Chris Bitchcowsky 1983 diese beiden Kinder fotografiert. In viel zu großen Schuhen...

"Auf einmal war Berlin mit Drogen überflutet"

Beide trafen sich dann in Berlin, Geld spielte wohl keine Rolle, und Bowie amüsierte sich später gern darüber, dass der Kollege Pop ihm immer den Kühlschrank ausgeräumt hatte, in dem die schönen Sachen aus dem KaDeWe lagen. Dann aber änderte sich die Versorgung schlagartig. Pop: „Von einem auf den anderen Tag war Berlin mit Drogen überflutet, und ich habe nicht immer die besten Entscheidungen getroffen.“

Was ein fast schon britisch anmutendes Understatement ist. Mein ganzes Leben, sagt der Künstler, war „ein Spagat zwischen Rolf Eden und Papst Benedikt“. Er ist also eigentlich ein Berliner. Zumal: Wir treffen bekanntlich auch nicht immer die besten Entscheidungen.

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