Kolumne: Was macht die Familie? : Judo, Kinderturnen, Cantienica

Daniela Martens sucht nach einem passenden Sportkurs für ihren Sohn - und sich

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Hoch hinaus beim Kinderturnen.
Hoch hinaus beim Kinderturnen.Foto: Patrick Pleuel/Picture Alliance

Im Gleisdreieck-Park sieht man eigentlich immer Leute, die Sport treiben, teilweise sehr merkwürdigen: Bootcamp-Trainer brüllen Anweisungen, ihre Gruppen knien vor ihnen und machen schweißgebadet die ungemütlichsten Verrenkungen. Die Parcour-Gruppe balanciert freihändig auf den Reckstangen, an denen die Kinder sonst Schweinebaumeln machen. Ein älterer Mann hantiert ungeschickt mit seinem Gummi-Expander herum, der aussieht, als hätte er ihn vor Jahrzehnten im Teleshop bestellt. Auf dem Trimm-Dich-Spielplatz für Erwachsene machen Leute Klimmzüge und schwingen auf dem Crosstrainer hin und her. Mein Sohn und ich fahren jeden Tag nach der Kita mit dem Fahrrad durch den Park. Dann fragt er stets: „Was machen die da?“ „Sport.“ „Warum?“ „Weil man von Sport stark wird und weil ihnen das Spaß macht.“

Den rechten Sitzbeinhöcker nach hinten ziehen

Wenn alles gut läuft (das tut es leider nicht so oft), gehe ich zwei Mal pro Woche zum Cantienica. Auch so eine merkwürdige Sportart. Allerdings nicht im Park. Dabei trainiert man Muskeln, von denen man vorher nicht wusste, dass es sie gibt, auf eine Weise, von der man vorher nicht wusste, dass sie möglich ist. Die Anweisungen der Trainerin klingen etwa so: „Den rechten Sitzbeinhöcker lang nach hinten und gleichzeitig den Bauchnabel zur linken Rippenflanke ziehen.“ Das mache ich, weil es auch dreieinhalb Jahre nach Schwangerschaft und Geburt meines Sohnes in meinem Körper noch unangenehme Spuren davon an meinem Beckenboden gibt. Wenn ich dahin will, fragt mein Sohn meist: „Darf ich mit?“ „Nein, das ist nur für Erwachsene.“ „Warum?“, „Weil man da ganz leise sein muss.“ „Warum?“ Ich erkläre, was „Konzentration“ bedeutet und frage, ob er wirklich eine Stunde lang leise sein möchte. Nein, will er nicht. Schon lange möchte er aber auch gern Sport machen. Aber was? Und wo?

Mäuse und Hasen machen Judo

„Mama, ich will auch Judo machen“, sagte er mit Nachdruck mit etwa zweieinhalb. Das „auch“ bezog sich auf die zehnjährigen Zwillingsmädchen aus dem ersten Stock, die er uneingeschränkt bewundert. Zwei Mal die Woche gehen sie zum Judo. Und dann hat er noch ein Bilderbuch aus DDR-Zeiten, in dem Teddybären, Mäuse und Hasen Judo machen. Außerdem wusste er, dass man beim Judo barfuß sein darf. Das fand er auch toll. Im vergangenen Winter guckten wir uns also die Judostunde der Zwillinge mal an. In einer Kreuzberger Turnhalle sahen wir einer sehr gemischten Gruppe zu: Von winzigen sechsjährigen Jungs mit sehr langen Haaren bis hin zu großen, kräftigen Mädchen, die körperlich schon fast in der Pubertät angekommen waren, war alles dabei. Sie alle spielten lustige Aufwärmspiele miteinander, ohne dass die großen Unterschiede ein Problem darstellten. Dann übten sie jeweils mit einem passenden Partner konzentriert Fall- und Verteidigungstechniken. Uns gefiel, was wir sahen. Ich fragte die Kursleiterin, ab wann ein Kind Judo machen könne. So etwa ab fünf oder sechs, wenn es die Zusammenhänge begreife, sagt sie. Mein Sohn war sehr enttäuscht. Eine Weile machte er danach Judo auf seine Weise – irgendwo auf der Straße oder im Park. Es sah aus wie eine Mischung aus Capoeira und dem Getorkel eines Clowns im Zirkus. Dabei rief er laut: „Ich mache Judo.“

Die Zweijährigen können noch nicht freihändig balancieren

Nach den Sommerferien meldete ich uns endlich beim Eltern-Kind-Turnen an. Dort recken wir jetzt wöchentlich die Arme in die Luft und drehen uns im Kreis. Er darf von hohen Mattenbergen hinunterspringen und die Sprossenwand hochflitzen. Aber so ganz passt auch dieser Sportkurs nicht: Mein inzwischen fast Dreieinhalbjähriger begreift nicht, warum die vielen Zweijährigen im Kurs so langsam sind und noch nicht freihändig balancieren können. Wir suchen weiter nach einem passenden Sportkurs. Die Zwillinge fragen immer noch nach, wann er endlich mit zum Judo kommt. Mal sehen.

Unter www.tib1848ev.de/sportarten/judo/sportangebote findet man Judokurse für Kinder ab 5 Jahren, Cantienica-Kursen unter www.sport-spirit-berlin.de oder www.studio-schneidewind.de

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