Komatrinken : Alkoholmissbrauch unter Jugendlichen nimmt weiter zu

Gut jeder zweite Berliner Jugendliche im Alter zwischen 15 und 17 Jahren betrinkt sich einer Befragung zufolge einmal oder mehrmals im Monat bis zum Rausch. Was lässt sich dagegen tun?

Rainer W. During

Gesundheitssenatorin Karin Lompscher, die diese Zahl gestern bekannt gab, sprach von einer „besorgniserregenden“ Entwicklung und will dem Trend mit verstärkter Präventionsarbeit begegnen.

Zwei Studien, die von der Senatorin am Freitag vorgestellt wurden, haben sich mit dem Suchtverhalten der Berliner insgesamt und dem Konsum von Alkohol sowie anderen Drogen durch Schüler der neunten und zehnten Klassen befasst – mit erschreckenden Ergebnissen. Gaben 1995 noch 17,1 Prozent der befragten 15- bis 17jährigen an, bei einer Gelegenheit fünf und mehr Gläser Alkohol getrunken zu haben, waren es im Jahr 2000 bereits 25,8 und 2006 dann 35,8 Prozent.

Entsprechend stieg auch die Zahl der Zehn- bis Zwanzigjährigen, die wegen Alkoholvergiftungen stationär in Krankenhäusern behandelt werden mussten. Hatten sich die Fälle von 2000 bis 2005 bereits auf 274 verdoppelt, wurde für 2006 ein erneuter Anstieg auf 296 verzeichnet. Zahlen für das vergangene Jahr liegen noch nicht vor.

Die Steuererhöhung für sogenannte Alkopops hat das Problem nicht verringert, sondern nur die Trinkgewohnheiten der Jugendlichen verändert. Sie greifen jetzt zu Biermixgetränken oder mischen selbst Spirituosen mit Säften oder Limonaden, so die Landesdrogenbeauftragte Christine Köhler-Azara. Deutlich erkennbar sei ein Zusammenhang zwischen der Zunahme des Alkoholkonsums und dem Anstieg der Jugendgruppengewalt. Dagegen sei zu beobachten, dass deutschstämmige Schüler wesentlich häufiger zur Flasche greifen als Jugendliche mit Migrationshintergrund. Das Rauschtrinken sei ein Trend, der bundesweit zu beobachten sei.

Als Gegenmaßnahme will Senatorin Lompscher die Programme zur Früh- und Sekundärintervention weiter verstärken, um „Suchtkarrieren“ bei Jugendlichen vorzubeugen. Der Einstieg sei leicht, der Weg aus der Sucht enorm schwierig, so die Politikerin der Linken. So investiere man in diesem Jahr mehr als 600 000 Euro in das gemeinsam mit freien Trägern aufgebaute „Netzwerk Frühintervention“, biete Wochenendkurse und Ausstiegsbegleitung. 115 000 Euro stehen für das Projekt „NachHalt“ bereit, das Jugendlichen nach einer Alkoholvergiftung schon im Krankenhaus Hilfe anbietet. Mit mehr als 50 000 Euro wird „Volle Pulle Leben“ gefördert, ein Mitmachparcours zur Alkoholprävention für Schüler ab der sechsten Klasse.

Die Sensibilisierung der Öffentlichkeit habe „deutlich zugenommen“, so die Senatorin. Denn schließlich würden die Jugendlichen den Alkohol, den sie trinken, von Erwachsenen bekommen. „Ich glaube, wird sind auf dem richtigen Weg“.

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