Berlin : Kommandozentrale der Demokratie

Landeswahlleiter ist auf eine lange Nacht eingestellt

Hannes Heine

Heute wird aus Raum 351 die Kommandobrücke der Demokratie. Das geräumige Zimmer im dritten Stock des Statistischen Landesamtes wird von Mitarbeitern nur noch die „Ergebniszentrale“ genannt. In diesem Raum laufen heute alle Zahlen zusammen. Die zehn hier stationierten Mitarbeiter wissen als Erste, wer Berlin in Zukunft regieren wird. Geert Baasen, Chef der Geschäftsstelle des Landeswahlleiters, ist heute der Herr über die Zahlen und wird vermutlich auch derjenige sein, der gegen 19 Uhr 30 die ersten amtlichen Hochrechnungen an die Öffentlichkeit weiter gibt.

Für seinen Chef wird es voraussichtlich die letzte Berliner Wahl sein, die er überwacht. Andreas Schmidt von Puskas, 63, hat den Job als Landeswahlleiter seit fünf Jahren inne. Seitdem wacht der Fachmann für Staats- und Verwaltungsrecht über die Einhaltung des Wahlgesetzes. Keine Frage, und sei sie noch so kompliziert, ist ihm zu schwer. Auf eine Antwort von ihm muss niemand lange warten. Und Antworten sind bei dieser Wahl mit den vier unterschiedlichen Stimmzetteln besonders gefragt (siehe nebenstehenden Artikel). Das vorläufige amtliche Endergebnis vorzutragen, wird er aller Voraussicht nach wieder übernehmen.

Zuvor ist es aber ein langer Abend. Nachdem die 22 000 Wahlhelfer in den 2501 Wahllokalen die Stimmen gezählt und die Ergebnisse den Wahlbezirksämtern mitgeteilt haben, werden sie von dort elektronisch an das Statistische Landesamt in Friedrichsfelde gesendet. „Wir haben aber außerdem Mitarbeiter mit Telefon vor Ort, falls es Probleme gibt“, sagt Baasen. Man ist vorbereitet: Allein in den Räumen des Statistischen Landesamtes werden morgen 70 Mitarbeiter zugange sein, um Gewinner, Verlierer und Wählerverschiebungen zu ermitteln. Und um aufgeregte Anrufe entgegenzunehmen. „Es gibt immer wieder Fälle von versehentlich nicht ins Wählerregister eingetragenen Personen“, sagt Baasen.

Um zu überprüfen, wer im Zweifelsfall wählen darf und wer nicht, säßen im zweiten Stock extra Mitarbeiter des Einwohnermeldeamtes bereit. Mit Pannen rechnet hier zwar niemand, aber da diesmal mehr Parteien zu den Abgeordnetenhauswahlen antreten und außerdem wegen der Volksabstimmung sowie des Bürgerentscheids in Lichtenberg mehr Stimmzettel anfallen, geht Baasen von einer langen Nacht aus. Einige Kollegen werden bis zur Pressekonferenz am Montagmorgen kein Auge zugemacht haben.

Wenn am Montag das vorläufige Endergebnis bekannt gegeben wird, ist für Baasen die Arbeit aber noch lange nicht getan. Erst am 5. Oktober wird er das endgültige Ergebnis ermittelt haben, am 6. Oktober werden die gewählten Kandidaten dann offiziell vom Statistischen Landesamt benachrichtigt.

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