Kommentar : Begehrlichkeit der Laubenpieper

Bernd Matthies über die Wundertüte Tempelhofer Feld und das präzise Gespür der Schrebergärtner.

von

Glaubt man den organisierten Laubenpiepern, dann ist ihr Wirken eine Art Allheilmittel für die Gesellschaft. Es verbindet die Generationen, salbt die Seelen der Menschen, die sonst in stickigen Mietskasernen vor sich hin schmachten müssten, und schafft auch gute Luft in der Stadt.

Da mag einiges dran sein, aber es gibt auch den anders gearteten Blickwinkel: Hinter dieser Heils-Rhetorik kämpfen Interessenvertreter um das Privileg der billigen Nutzung von Grundstücken, für die sie sich als normale Häuslebauer ihr halbes Leben krummlegen müssten.

So oder so: Es ist sicher aufmerksame Interessenvertretung, dass die Laubenpieper nun Teile des Flughafens Tempelhof für sich reklamieren. Dahinter steckt das präzise Gespür dafür, dass die zuständigen Planer das Gelände immer noch als Wundertüte bestaunen, statt konkret darzulegen, wie es für die Allgemeinheit optimal erschlossen werden könnte.

Dann ist es nämlich kein Wunder, dass alle schon mal in Lauerstellung gehen. Sagen wir so: Wenn große Teile des Flughafens mangels Ideen oder Geld dauerhaft brachliegen, sind Schrebergärten allemal die bessere Lösung.

1 Kommentar

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben