Kommentar : Menschlichkeit und Mairandale

Menschlichkeit auch für mutmaßliche Mairandalierer - zumal bei mehr als dünner Beweislage. Bernd Matthies über die Bitte der Eltern, ihre Söhne zu Weihnachten freizulassen.

Bernd Matthies

Die Ausgangslage war klar. Die Öffentlichkeit wollte, dass endlich einmal ein Mai-Randalierer für seine Taten bestraft wird, und das nicht nur mit einem sonderpädagogischen Segeltörn in die Karibik. Einen oder mehrere Täter stellen, überführen und schnell bestrafen – dagegen wäre nichts einzuwenden gewesen.

Doch wie es scheint, ist wieder einmal das Gegenteil des Erwünschten passiert. Zwei junge Männer, 17 und 19 Jahre alt, wurden festgenommen, nachdem eine Brandflasche geflogen war und eine Frau verletzt hatte. Aber die Beweislage ist mehr als dünn, und sie wird immer dünner. Die Gefahr ist groß, dass die nun schon sieben Monate dauernde Untersuchungshaft am Ende klammheimlich als Ersatzstrafe fungiert, um der Öffentlichkeit wenigstens irgendein Ergebnis präsentieren zu können.

Es wird Weihnachten, und die Eltern wollen ihre Söhne unter dem Weihnachtsbaum versammeln. Dagegen spricht nicht mehr als die ziemlich abstruse Unterstellung einer Fluchtgefahr. Eine menschliche Justiz, wie sie zu Berlin passt, sollte den Haftbefehl zumindest für den Jüngeren aussetzen.

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