Kommentar zu toten Kindern : "Es ist ein Flüchtlingsdrama"

Es kommen jetzt mehr Menschen, auf Holzbooten. Schiffe sinken, Kinder sterben. Ehrenamtliche auch aus Berlin helfen, wohnen Beerdigungen bei. Was tun?

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Das Unglücksschiff. Auch ein Baby ertrank kurz vorm Ufer. Ein Schlepperboot und ein Schiff der Küstenwache kollidierten.
Das Unglücksschiff. Auch ein Baby ertrank kurz vorm Ufer. Ein Schlepperboot und ein Schiff der Küstenwache kollidierten.Foto: Yorgos Papadopoulos/dpa

Es fahren jetzt wegen des Herbstwetters auch stabilere Holzschiffe mit Flüchtlingen von der Türkei nach Griechenland. Die Reste der vielen dünnen, schwarzen Schlauchboote habe ich zusammen mit vielen freiwilligen Helfern, auch aus Deutschland, selbst am Strand gesehen. Die Flüchtlinge erzählen: Wenn Kinder zu verzweifelt schrien, würden Schlepper sie teilweise einfach über Bord werfen. Es gibt viele Dramen. Selbst ein stabiles türkisches Fischerboot kann sinken, wie gerade die „Haker“. Der Bootsführer und die Küstenwache hatten einander mit ihren Wasserfahrzeugen gerammt.

Rettungswesten von Wassersportfirmen - warum helfen sie nicht?

Bei ruhiger See ertranken sieben Menschen, darunter ein kleines Mädchen und ein Jugendlicher, sie alle trugen Rettungswesten, und obwohl sich mehrere Schiffe an der Rettungsaktion beteiligten. Alle paar Tage lesen auch Berliner Griechenlandfans auf der Internetseite „Greek Reporter“ von ertrunkenen Kindern. Die Strände im Norden und Osten der Inseln sind voll grellfarbener Westen; in den türkischen Küstenorten boomt das Geschäft damit. Viele tragen Aufnäher etablierter Wassersportfirmen. Sind sie echt, sind sie gefälscht? Warum schützen sie Leben nicht, obwohl sie dafür gemacht sind?

Auf dem Friedhof ist kaum mehr Platz

Zuletzt rettete die Küstenwache binnen 24 Stunden 541 Menschen, schreibt die Nachrichtenagentur dpa. Polizei und Küstenwache vermuten, dass die Türkei die Flüchtlinge ziehen lässt, um weiter Druck auf die EU auszuüben. Es gibt aber auch viele Camps für Flüchtlinge, sie haben einen guten Ruf. Die Kapazität des ersten Registrierzentrums, eines „Hotspots“, auf Lesbos ist, kaum eröffnet, schon voll. Den Griechen fehlt auch Geld für die Registrier-Computer für die anderen Hotspots, einer soll rund 13 000 Euro kosten. Die Behörden befürchten nun, dass in den nächsten Monaten aus der Türkei noch bis zu 3,7 Millionen Flüchtlinge kommen könnten. Auf dem Friedhof in Mytilene ist kaum noch Platz. Wer bei den Beerdigungen die anonymen Opfer würdigt? Es sind oft Ehrenamtliche, viele Touristen.

Wer auf den Inseln wie Lesbos helfen will, kann sich an das International Rescue Committee wenden, über Facebook an „Help for Refugees in Molyvos“ und „IsraAID“ oder einfach hinfliegen. An den Westküsten bekommt man nichts mit; an den Ost- und Nordküsten trifft man überall Initiativen und Ehrenamtler aus ganz Europa, denen man sich anschließen kann.

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