Berlin : „Kompetenz vor Prominenz“

CDU-Spitzenkandidat Pflüger stellt sein Schattenkabinett vor. Mit dabei als möglicher Arbeitssenator ist Rainer Eppelmann

Ulrich Zawatka-Gerlach

Das sei eine „klasse Truppe, die Berlin besser regieren kann, tief verwurzelt in Berlin“, lobte der CDU-Spitzenkandidat Friedbert Pflüger gestern sein Schattenkabinett für den Wahlkampf. Er habe keine Berater mit schön klingenden Namen gesucht, sondern eine echte Regierungsmannschaft, beugte der CDU-Mann gestern der öffentlichen Kritik vor, er habe personell nicht viel zu bieten.

Einen bundesweit prominenten Mann hat er trotzdem gefunden: Rainer Eppelmann, ehemals DDR-Oppositioneller und Chef der CDU-Sozialausschüsse. Er soll die Arbeits- und Sozialpolitik der Berliner Union unters Volk bringen. Jedenfalls in Berlin bekannt ist die Bundestagsabgeordnete Monika Grütters, zuständig für Kultur. Der Direktor des Unfallkrankenhauses Marzahn, Axel Ekkernkamp, soll in Pflügers Team die Gesundheitspolitik betreuen. Ein West-Berliner Urgestein ist Detlef Stronk, der neue Schatten-Wirtschaftssenator. Er diente schon Richard von Weizsäcker als Staatssekretär, war unter Eberhard Diepgen Chef der Senatskanzlei und wechselte 1990 in den Vorstand des Unternehmens Herlitz. Seit 2002 leitet Stronk die Wirtschaftsförderungsgesellschaft in Brandenburg (ZAB).

Ergänzt wird das CDU-Team durch die Berliner Abgeordneten Alexander Kaczmarek (Finanzen), Frank Henkel (Inneres) und Mario Czaja (Verkehr), den Reinickendorfer Stadtrat Michael Wegner (Stadtplanung) und die Lichtenberger Bezirkspolitikerin Astrid Jantz (Jugend). Um die Bildung wird sich die parteilose Eva-Maria Kabisch kümmern, langjährige Abteilungsleiterin in der Schulverwaltung. Auch Monika Schäfer-Korting, bis 1999 Vize-Präsidentin der Freien Universität und nun zuständig für die CDU-Wissenschaftspolitik, hat kein Parteibuch. Der Bundeschef der Senioren-Union, Otto Wulff, wird im Wahlkampf die älteren Wähler betreuen und Rechtsanwalt Nezih Ülkekul die Migranten.

Mit diesem Personalangebot will Pflüger nach der Wahl in Koalitionsverhandlungen gehen. Er glaubt den Umfragen nicht. „Nichts ist gelaufen.“ Er warnte nicht nur vor einer Neuauflage von Rot-Rot. „Auch ein rot-rot-grüner Senat wird zur Verarmung und Isolierung Berlins führen.“ Die Grünen kritisierte er als „Steigbügelhalter“ für solch ein Bündnis.

Die SPD beurteilt das CDU-Schattenkabinett mit Häme. „Wenn die Sonne tief steht, werfen sogar Zwerge lange Schatten“, hieß es in einer Erklärung. Pflüger habe keine kompetente Persönlichkeit aus der Bundesebene gewinnen können, sagte SPD-Chef Michael Müller. Diese Einschätzung teilt Grünen-Fraktionschef Volker Ratzmann. „Die Berliner CDU ist nicht regierungsfähig, sie hat sich weder inhaltlich noch personell erneuert.“ za

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