Berlin : Konferenz zu Jugendgewalt in Metropolen

Städteforscher tagen an neuem HU-Zentrum

Hannes Heine

Städteforscher tagen an neuem HU-Zentrum Angesichts der jüngsten Gewalttaten türkisch- und arabischstämmiger Jugendlicher an einem Lichtenrader Gymnasium empfiehlt der Stadtsoziologe Hartmut Häußermann eine bessere Vernetzung verschiedener Stellen. Die teilweise sehr jungen Täter seien oft unter schwierigen Bedingungen aufgewachsen, ihnen fehle daher häufig die Einsicht in geltende Regeln und Werte. Langfristig rate er dazu, auch mit den psychologischen und psychiatrischen Diensten des Universitätsklinikums Charité zusammenarbeiten.

Häußermann gehört zu den Initiatoren des neuen Georg-Simmel-Zentrums für Metropolenforschung an der Humboldt-Universität. Eröffnet wird das Zentrum am kommenden Sonnabend mit einer Konferenz, die sich mit „Jugendunruhen – Stadt – Migration“ beschäftigt. Die Experten wollen mit Blick auf die wiederkehrenden Ausschreitungen von Jugendlichen aus Einwandererfamilien in den französischen Vorstädten über den Zusammenhang zwischen Ausgrenzung und Gewalt junger Einwanderer beraten und klären, inwiefern auch in Deutschland mit Jugendgewalt dieses Ausmaßes zu rechnen ist. Die geladenen Fachleute wollen insbesondere die Struktur deutscher Städte, die Integrationspolitik und die vorherrschenden Jugendkulturen untersuchen. Diskutiert werden soll auch, inwiefern die Bundespolitik von den Reaktionen der französischen Regierung auf Jugendgewalt lernen kann.

Das neue Forschungszentrum an der Humboldt-Universität soll vor allem der Koordination der Berliner Städteforscher dienen. Experten aus den Disziplinen Soziologie, Ethnologie, Psychologie und Geographie wollen unter dem Namen des 1918 verstorbenen Soziologen Georg Simmel den Charakter moderner Großstädte untersuchen. Dabei handele es sich zu dieser Thematik weltweit um eine wohl einmalige Verbindung zwischen Geistes-, Sozial- und Naturwissenschaften, die nachhaltig zur Profilbildung der Universität beitragen könne, erklärte Stadtsoziologe Häußermann.

Da insbesondere Metropolen bevorzugtes Ziel von Einwanderern sind, wollen die Forscher schwerpunktmäßig die aktuellen Probleme bei der Integration nichtdeutscher Migrantengruppen beleuchten.

Derzeit sollen 26 Professoren aus verschiedenen Instituten im Georg-Simmel-Zentrum an unterschiedlichen Projekten arbeiten, eigenes Personal werde es aber nicht geben, sagte der kommissarische Leiter und Geografieprofessor Harald Mieg. Ein Teil der Mitarbeiter wird Räume in der Jägerstraße in Mitte beziehen.

Die Humboldt-Universität ist die älteste der vier Berliner Universitäten. Im vergangenen Jahr studierten hier etwa 40 000 Hochschüler bei mehr als 400 Professoren. Die Universität verfügte 2005 über ein Budget von knapp 265 Millionen Euro. Das Georg-Simmel-Zentrum wird nach Schätzungen der Initiatoren mit weniger als 40 000 Euro im Jahr auskommen müssen.

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