Konjunktur : Unternehmen investieren wieder in Brandenburg

2007 gab es schon Zusagen für 65 Neuansiedlungen mit 1828 Arbeitsplätzen. Fördermittel zu bekommen, könnte in Zukunft jedoch schwieriger werden.

Peter Tiede

Potsdam – Brandenburg hat nach der Stolpe-Ära den Imagewandel vom Land der Großpleiten und Hort des politischen Größenwahns zum attraktiven Investitionsstandort geschafft. Zu dieser Einschätzung kommen der Chef der Investitionsbank des Landes Brandenburg (ILB), Klaus-Dieter Licht, und der Chef der Zukunftsagentur Brandenburg (ZAB), Detlef Stronk. Wesentlicher Grund dafür sei die konsequente Umstellung der Förderpolitik des Landes vom Gießkannenprinzip auf Schwerpunktbranchen und -orte gewesen. Darüber hinaus sei die Nähe zu Berlin und die hohe Dichte an Wissenschafts- und Forschungseinrichtungen in Berlin-Brandenburg ausschlaggebend gewesen.

„Bei Investitionen im gewerblichen Bereich erleben wir einen nie dagewesenen Boom“, erklärt ILB-Chef Licht. Regionen, in denen nach der Wende 90 Prozent der Industriearbeitsplätze weggebrochen waren, würden jetzt zunehmend als attraktiver Standort für Investitionen wahrgenommen. Das liege unter anderem an den attraktiven Förderbedingungen des Landes.

Dass sich Brandenburgs Wirtschaft von bundesweit hinteren Plätzen langsam vorarbeitet, belegten auch die amtlichen Statistiken, sagt ZAB-Chef Stronk. Das Industriewachstum habe im ersten Halbjahr 2007 rund 13 Prozent über dem Vorjahreswert gelegen. Der Export sei in den ersten fünf Monaten um 41 Prozent gestiegen, das Bruttoinlandsprodukt habe 2006 um drei Prozent höher gelegen als 2005. Auch beim Zuwachs an sozialversicherungspflichtigen Jobs habe Brandenburg zuletzt mit einem Plus von drei Prozent bundesweit vorn gelegen. Bei den Aktivitäten zur Wirtschaftsförderung liegt Brandenburg auf Platz zwei der neuen Bundesländer.

Besonders stark sei das Wachstum in Brandenburg bei Industrieinvestitionen, sagt Stronk. Im laufenden Jahr seien bis Ende August bereits 65 Neuansiedlungen mit Zusagen über 1828 Arbeitsplätze vertraglich akquiriert worden. Neben den klassischen Industrien wie Chemie, Glas und Metall kämen vor allem sogenannte neue Branchen wie die Solarindustrie, die Softwarebranche und Unternehmen aus dem Bereich Life-Science ins Land. „Brandenburg ist zwar lange noch kein Industrieland, aber wir haben einen zukunftsfähigen Mix aus klassischen und neuen Branchen“, sagt Stronk.

Schwerpunkt der von der ZAB betreuten Neuansiedlungen sei noch immer die „Halbmondsichel“ westlich Berlins – der Raum von Henningsdorf/Oranienburg bis herunter nach Potsdam und Ludwigsfelde. Im Süden fange der Bau des Großflughafens Berlin Brandenburg International (BBI) an, auf die Investitionstätigkeit zu wirken. Auch für die Prignitz, die Uckermark und vor allem für den Süden des Landes meldeten sich zunehmend Investoren.

Für die Brandenburger Unternehmen könnte sich der Boom jedoch nachteilig auswirken, denn das Land muss seine Förderrichtlinien umstellen, um mit den jährlich 300 Millionen Euro für gewerbliche Unternehmen auszukommen. Zwar betonen ILB und ZAB, dass jeder Antragsteller mit einer förderfähigen Investition auch unterstützt werde. Doch solle nun Bestenauslese betrieben und auf die Zahl der geschaffenen Arbeitsplätze geschaut werden. So können kleine und mittlere Unternehmen künftig die Maximalförderung von 50 Prozent nur noch erreichen, wenn sie auch hochqualifizierte Arbeitsplätze für Mitarbeiter mit Universitäts- oder Fachhochschulabschluss schaffen.

Durchs Fördersieb fallen Investitionsbranchen, die noch vor kurzem als zukunftsträchtig galten: Biodieselanlagen und Anlagen zur Herstellung von Holzbrennstoffen. Für solche Anlagen gebe es in Brandenburg nicht mehr genügend Rohstoffe, so ILB-Chef Licht.

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