Konjunkturpaket : Baufirmen suchen schon neue Leute

Der Geldsegen für die Bezirke zeigt Wirkung: Die Arbeitsagentur meldet verstärkte Nachfrage. Vor allem Architekten, Ingenieure und Baunternehmen hoffen auf neue Aufträge.

Ralf Schönball
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Arbeit wartet. Berlins Baubranche bekommt dank der Konjunkturhilfe des Bundes viel zu tun. Foto: ddp/Heimann

BerlinArchitekten, Ingenieure und Bauunternehmen können mit einer Fülle neuer Aufträge rechnen – die ersten werden die Bezirke bereits nach Ostern vergeben. Die Arbeitsagenturen melden bereits Personal-Anfragen von Bauunternehmen. Das Konjunkturpaket ist gerade vom Senat verabschiedet worden und erst mit der Zustimmung des Hauptausschusses kommenden Mittwoch endgültig rechtskräftig. Aber schon jetzt ist klar: Es wird zu einem großen Beschäftigungsprogramm für Berlin.

„In Erwartung von Aufträgen aus dem Paket haben einzelne Betriebe ihren Personalbedarf beim Arbeitgeberservice angemeldet“, sagt Uwe Mählmann, Sprecher der Berliner Arbeitsagentur. Vor allem Unternehmen aus der Baubranche und aus dem Baunebengewerbe hätten sich gemeldet. Wie viele Arbeitsplätze durch das Konjunkturprogramm geschaffen werden, könne er jetzt noch nicht sagen. Rein rechnerisch entsprechen die 600 Millionen Euro aus dem Paket gut einem Viertel des Berliner Bauvolumens im Jahr 2008 insgesamt. Die 2,2 Milliarden Euro, die in der Branche umgesetzt wurden, hatten 18 000 Arbeitsplätze gesichert. Theoretisch könnten mit dem Geld aus dem Konjunkturpaket also 4500 Stellen geschaffen werden. Diesem Zahlenspiel hält der Bauindustrieverband aber entgegen: „Die Investitionen aus dem Paket verteilen sich auf zwei Jahre, außerdem rechnen wir mit einem deutlichen Rückgang der Aufträge aus der privaten Wirtschaft“, sagt Geschäftsführer Axel Wunschel. Die Baubranche sei schon froh, wenn die öffentlichen Mittel die Folgen der Finanzkrise abmildern.

Dagegen befürchtet man in den Bezirken, die einen guten Teil des Geldes zum Beispiel für die Sanierungen und den Umbau von Schulen und Kitas ausgeben, einen Anstieg der Baupreise. „Alle Bezirke und Bundesländer werden gleichzeitig Aufträge erteilen“, sagt Baustadtrat Andreas Geisel. Die Nachfrage könnte die Kapazitäten übersteigen. Sein Bezirk Lichtenberg-Hohenschönhausen kann zwölf Millionen Euro aus dem Paket für elf Baumaßnahmen abrufen.

Geisel will schnell handeln. Anfang der Woche werden die Architekturbüros ausgewählt, die zu den Ausschreibungen der bauvorbereitenden Planungen im Auftrag des Bezirks eingeladen werden. Schon nach Ostern beginnen die Bauarbeiten bei zehn anderen Projekten, die noch mit den zuvor vom Senat bewilligten Sondermitteln für die Schul- und Sportstättensanierung finanziert werden. Geisel rechnet damit, dass die Arbeiten, die mit den neuen Mitteln finanziert werden, im August beginnen können.

Der Bezirk Mitte zählt mit elf Millionen Euro zu den Bezirken, die am stärksten von dem Paket profitieren. Auch hier will man rasch Aufträge vergeben. Damit das gelingt, wird der Bezirk drei neue Planer einstellen, befristet auf zwei Jahre – so lange läuft das Programm. „Bis Ende November muss fast die Hälfte der Etats verplant sein“, sagt der stellvertretende Bürgermeister Joachim Zeller. Der größte Teil der Bauvorhaben müsse bis Ende kommenden Jahres fertiggestellt sein.

Auch der Krankenhauskonzern Vivantes will zügig handeln: Dafür will man mit externen Büros zusammenarbeiten. Derzeit würden die ersten Ausschreibungen im Zusammenhang mit den Mitteln aus dem Konjunkturpaket vorbereitet, sagt Sprecher Uwe Dolderer. Der Konzern erhält einen Teil von insgesamt 54 Millionen Euro aus dem Topf für die Berliner Krankenhäuser, die Charité ausgenommen.

In der Baubranche profitieren vor allem die Architekten von dem Beschäftigungsprogramm. Die Büros hätten trotz der Krise noch viel zu tun, aber viele laufende Projekte seien zeitlich gestreckt und einige Planungen ganz eingestellt worden, sagte Kammerpräsident Klaus Meier-Hartmann. Er fordert Senat und Bezirke auf, die Aufträge in kleinen Losen zu vergeben. Denn zwei Drittel der rund 3500 Berliner Architekturbüros seien Kleinbetriebe mit drei Arbeitskräften.

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