Berlin : Konkurrenz-Kliniken müssen gemeinsam operieren

Senat drängt Charité und Vivantes zur Zusammenarbeit. Doch das Misstrauen zwischen beiden Landesbetrieben sitzt tief

Ingo Bach

Das Land erhöht den Druck auf die beiden landeseigenen Klinikunternehmen, Vivantes und Charité, endlich wie gewünscht zu kooperieren. Denn Konkurrenz könne manchmal auch zerstörerisch sein, sagte Gesundheitssenatorin Heidi Knake-Werner (PDS) gestern im Abgeordnetenhaus. Deshalb gebe man den beiden Unternehmen jetzt ein „Regelkorsett“ vor. Denn offenbar wollen sich beide Krankenhausvorstände ohne Ermutigung nicht so recht näher kommen. Nachdem sie im Mai 2004 eine Absichtserklärung zur Kooperation unterzeichnet hatten, geschah außer weniger Spitzentreffen nicht mehr viel.

„Man gräbt sich lieber gegenseitig das Wasser ab“, sagte der gesundheitspolitische Sprecher der FDP-Fraktion, Rainer-Michael Lehmann. Nun hat der Senat die Geduld verloren. Die Gesundheitssenatorin, der Wissenschafts- und der Finanzsenator luden die Klinikchefs Anfang der Woche zum „Workshop“. Das Ergebnis: Beide Unternehmen müssen ein Konzept für die strategische Zusammenarbeit vorlegen – und bis August diesen Jahres soll ein Teil davon schon umgesetzt sein.

So wolle man den Häusern von Vivantes baldmöglichst den Status „Akademische Lehrkrankenhäuser der Charité“ zurückgeben, heißt es aus dem Universitätsklinikum. Dieser prestigeträchtige Titel war Vivantes 2003 entzogen worden. Die damalige Charité-Leitung klagte, dass ihr Vivantes Patienten abspenstig mache, und man diese unerwünschte Konkurrenz nicht auch noch belohnen wolle.

Noch immer ist dieser Vorwurf hinter vorgehaltener Hand zu hören. Derzeit versorgt Vivantes pro Jahr rund 180 000 Patienten stationär. Die Charité behandelt weitere 117 000 – das sind 43 Prozent aller jährlich 690 000 stationären Patienten in Berlin. Beide Häuser streben in ihren Unternehmenskonzepten einen Patientenzuwachs an. Eine Zusammenarbeit wird also schwierig, auch wenn Senatorin Knake-Werner meint: „Vivantes betreibt keine Werbung von Patienten zu Lasten der Charité, solche Maßnahmen sind auch nicht geplant.“

Auch in anderen möglichen Kooperationsfeldern gibt es derzeit eher Hindernisse. So sollen die Kliniken in den Servicebereichen, wie Küche, Wäscherei oder Gartenpflege, zusammenarbeiten und durch Synergien Geld sparen. Doch wie berichtet will die Charité diesen Bereich einer einzigen Tochterfirma überantworten und sucht dafür europaweit einen privaten Partner. Vivantes hat dafür schon vor längerer Zeit diverse Tochterunternehmen gegründet. Diese Kooperationschance hat die Charité zunächst also ausgeschlagen – auch wenn sich Vivantes dem Vernehmen nach mit seinen eigenen Töchtern an der Ausschreibung beteiligt.

Dann sollen die Kliniken wenigstens im Mahn- und Abrechnungswesen gemeinsame Sache machen, gaben die Senatoren den Vorständen mit auf den Weg. Denkbar sei, dass sie dafür eine einzige Servicegesellschaft aufbauen. Und schließlich gäbe es auch in der Fort- und Weiterbildung des medizinischen Personals die Möglichkeit, Kapazitäten zu bündeln. In diesem Bereich jedoch will die Charité mit einer derzeit geplanten Akademie für Fort- und Weiterbildung richtig Geld verdienen.

Ein bisschen Konkurrenz zwischen beiden Betrieben aber soll doch bleiben. Nur so könne man ökonomische Reserven ausfindig machen, meint der Senat. Deshalb wolle man den eigenverantwortlichen Vorständen auch so wenig wie möglich in ihre Arbeit hineinreden.

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