Berlin : Konrad Adenauer blickt nach Süden

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Schwer zu sagen, was der bronzene Konrad Adenauer im Blick hat. Seit Dienstagabend steht er auf dem Charlottenburger Adenauerplatz, die indianerhaft geschnittenen Augen auf die südliche Seite des Kurfürstendamms gerichtet, auf die Drogerie Rossmann oder auf Dunkin’ Donuts. Die Berliner, sagte CDUChefin Angela Merkel bei der Enthüllung der Skulptur in gelinder Verkennung des Berliner Lokalcharakters, könnten endlich erhobenen Hauptes nach Köln reisen, weil nun nach der Stadt am Rhein auch Berlin ein Adenauerdenkmal habe.

Das Denkmal zeigt den ersten Kanzler der Bundesrepublik, wie er strammen Schrittes der Zukunft des Landes entgegengeht. So wurde er fotografiert, nachdem er auf dem Bonner Petersberg das Besatzungsstatut entgegengenommen hatte. Dabei hatte er bewusst die Anweisung verletzt, nicht auf den Teppich zu treten, auf dem die Vertreter der Besatzungsmächte standen. Nach dem Foto hat die Bildhauerin Helga Tiemann die Skulptur gemacht – eine Kennerin von Adenauers faszinierendem Gesicht, in das sie sich seit 1953 vielfach versenkt hat, wie der Vizepräsident des Abgeordnetenhauses Christoph Stölzl sagte. Stölzl redete auch, wie vor ihm Bernhard Vogel und später Angela Merkel, gegen Gerüchte an, denenzufolge der Alte vom Rhein Berlin nie gemocht habe. Er habe die Stadt nicht bloß gemocht, hörte ein Publikum von gewiss 200 Personen, er habe ihr auch die Treue gehalten und den Berlinern 1953 die Einheit in Frieden und Freiheit versprochen.

Freiheit war allen Redner besonders wichtig, auch Hans Wall, der die Skulptur bezahlt hat und pflegen lässt. In seiner so kurzen wie klaren Ansage wünschte sich der Sponsor etwas vom Geist und der Aufbruchsstimmung der frühen Fünfziger ins das Berlin von heute. Das nennt man Zuversicht. wvb.

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