Konrad Zuse im Technikmuseum : Ausstellung: Die ersten Computer

07.09.2010 14:46 UhrVon Maris Hubschmid
  • Überraschend, aber wahr: Die ersten Computer der Welt wurden in Berlin gebaut. Im Wohnzimmer seiner Eltern in der Kreuzberger Methfesselstraße schraubte der Tüftler Konrad Zuse die... - Foto: promo
  • Um die von ihm als lästig empfundenen statischen Berechnungen zu automatisieren, entwickelte der damals 26-jährige Bauingenieur 1936 eine frei programmierbare mechanische... - Foto: promo
  • Der Computer Z1 wurde mit einem gelöcherten Filmstreifen programmiert. Die Kurbel diente der manuellen Taktung.

In Bills Garage hat alles angefangen? Falsch. Die ersten Computer der Welt wurden in Berlin gebaut. Im Wohnzimmer seiner Eltern schraubte der Bauingenieur Konrad Zuse 1936 die erste Rechenmaschine zusammen. Eine Ausstellung dokumentiert sein Werk.

Es ist ein Gedanke, der wohl nur Frauen bei der Betrachtung der ausgestellten Fotografien durch den Kopf schießt: Begeistert wird Mutter Zuse nicht gewesen sein. Aufs Wunderbarste hat Vater Zuses Kamera den Charme der Zeit eingefangen, die Seekarte der Hamburg-Amerika-Linie an der Wand, den dunklen Pelzmantel, vermutlich Nerz. Und davor, alles in den Schatten stellend: Söhnchens Monstrum. Der erste Computer der Welt.

Der nämlich, und das kommt für viele überraschend, wurde nicht in Amerika gebaut. Der damals 26-jährige Bauingenieur Konrad Zuse tüftelte ihn in der Wohnung seiner Eltern in Berlin zusammen, lange bevor Bill Gates überhaupt einen Schraubenschlüssel halten konnte.

Genauer gesagt in der Kreuzberger Methfesselstraße, unweit des Deutschen Technikmuseums - wo ab dem 9. September eine neue Dauerausstellung zu bewundern ist. "Konrad Zuse und der Beginn des Computerzeitalters" heißt sie und stellt auf einer Fläche von 300 Quadratmetern Leben und Werk Konrad Zuses vor. Sechs Themeninseln, die Zuses Schaffen in die globale Technikgeschichte einordnen, gespickt mit Fotos, Zeichnungen... Maschinen.

Verblüffende Dimensionen

Verblüffend wirken schon die Dimensionen der Geräte. Denn was seinerzeit als Musterbild an Feingliedrigkeit erachtet werden konnte, erscheint heute schier sperrig und plump. Faszinierend ist dennoch der Erfindungsreichtum des jungen Berliners. Gelöcherte Filmstreifen dienten ihm zur Steuerung seiner "Z1".

Zuses 1936 erschaffenes Originalmodell dieser Rechenmaschine wurde im zweiten Weltkrieg zerstört. Einen Nachbau fertigte er selber 1989 für eine erste Computer-Schau im Deutschen Technikmuseum an. Die aktuelle Ausstellung macht deutlich, dass der Krieg dem Erfinder seinen Computerbau zwar einerseits erschwerte - Zuse andererseits aber von den Rüstungsaufträgen profitierte.

1949 gründete Zuse die weltweit erste Computerfirma. Ohne stylisches Apfel-Logo, dafür mit stolzen Exportzahlen. Zu guter Letzt jedoch verkaufte der leidenschaftliche Bastler, der schon als Zehnjähriger eine Treppenlichtschaltung aus Blech und Nägeln gebaut hatte, sein Lebenswerk an die Siemens AG. Zunehmender Konkurrenzdruck durch die amerikanische Firma IBM hatten ihm das Fortführen seiner Firma unmöglich gemacht.

Auch diese letzten unternehmerischen Handlungen können im Technikmuseum nachvollzogen werden. Kinder und Jugendliche dürfen in einem eigens gestalteten Mitmachbereich Grundlagen und Funktionsweisen des Computers kennen lernen. Und auch, wenn es sonst die technischen Neuheiten sind, die mit Spannung erwartet werden: Für Erwachsene lohnt sich ein Besuch ebenso. Die IFA schließt am Mittwoch ohnehin ihre Pforten. Das trifft sich also zeitlich perfekt.

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