Berlin : Konsequenz aus Einsparungen, sagen Zehlendorfer Lehrer

Susanne Vieth-Entus

Als Konsequenz aus den Einsparungen bei den Schulen will das Lehrer-Kollegium der Zehlendorfer Conrad-Schule drei Jahre lang keine Klassenfahrten veranstalten und sein Engagement bei Schulfesten und Elternsprechtagen reduzieren. Dies wurde jetzt allen Eltern in einem Brief mitgeteilt. Die Eltern sind empört und wollen sich an das Landesschulamt wenden. Der Schulleiter erklärte gestern, er trage den Brief nicht mit, da er für ein gemeinsames Vorgehen von Eltern und Lehrern plädiere.

Die Lehrer begründen ihren Schritt damit, dass sie sich "bezüglich der Sparmaßnahmen im Bildungsbereich große Sorgen um die schulische Zukunft" der Kinder machen. Angesichts der "veränderten Bedingungen im Schulalltag" müssten "Prioritäten" gesetzt werden. Dies bedeute, dass das Engagement in "Bereichen, die das Unterrichtsgeschehen nicht direkt betreffen" eingeschränkt werden müsse. Im Folgenden ist der "Maßnahmekatalog" abgedruckt, der vom kommenden Schuljahr an gelten soll. Demnach sollen keine von Lehrkräften organisierten Klassenveranstaltungen nachmittags oder abends stattfinden; keine zusätzlichen Elternsprechtage; Lehrersprechstunden nur noch vormittags. Wenn ein Lehrer kurz- oder mittelfristig erkrankt, soll sein Unterricht nicht mehr auf Kosten von Förder- oder Teilungsunterricht vertreten werden, sondern entfallen. Am Schluss folgt der Punkt, der die Eltern am stärksten beunruhigt: "Keine Durchführung von Klassenfahrten für die nächsten drei Jahre", heißt es.

"Für viele Kinder würde das bedeuten, dass sie während der ganzen Grundschulzeit nicht ein einziges Mal auf Klassenreise gehen können", empört sich der Elternvertreter einer dritten Klasse, die bisher auf eine Fahrt in der vierten Klasse vertröstet worden war. Bei allem Verständnis dafür, dass gegen die verschlechterten Bedingungen in den Schulen protestiert werden müsse, sei dies der falsche Weg.

Einige Eltern vermuten, dass die Lehrer mit ihrem Brief auch ihrem "Frust" über die mangelnde Unterstützung während des Streiks Luft machen wollten. Entgegen der Erwartung des Kollegiums hatte die Gesamtelternvertretung es abgelehnt, einen Streikaufruf zu starten. Deshalb seien die meisten Kinder am 12. April in der Schule erschienen. Dennoch waren die Eltern von dem jetzt verteilten Schreiben total überrascht worden und fordern vom Landesschulamt eine "Stellungnahme" zu dem Vorgehen der Lehrer. Einen entsprechenden Brief haben die Elternvertreter bereits verfasst.

"Das Schreiben der Lehrer ist kontraproduktiv", findet eine Mutter, die selbst Lehrerin ist und einräumt, dass die meisten Lehrer der Conrad-Schule "hervorragende Arbeit" leisten. Insbesondere angesichts des "vorbildlichen" Engagements von Seiten der Elternschaft versteht sie das Vorgehen der Lehrer nicht. Die Eltern würden auf Wandertage oder zum Schwimmunterricht als Begleiter mitgehen, hätten Brötchenverkauf und einen Förderverein zuwege gebracht. Man müsse sich dafür "genieren", dass ausgerechnet an dieser Schule die Lehrer derartige Maßnahmen ergriffen, die eher an einer Schule im sozialen Brennpunkt zu erwarten gewesen wären, wo die Lehrer keine Unterstützung von Seiten der Eltern bekämen.

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