Berlin : Konsum setzt Aufsichtsrat ab Enttäuschte Anleger-Vertreter

holen alten Vorstand zurück

Volker Eckert

Die Vertreter der Konsumgenossenschaft haben am Mittwochabend fast den gesamten Aufsichtsrat des angeschlagenen Unternehmens abgesetzt, darunter auch den Vorsitzenden Martin Bergner. Die Vertretung der Anleger macht das Kontrollgremium offenbar dafür verantwortlich, dass die Konsumgenossenschaft von der Insolvenz bedroht ist. 190 000 Anlegern droht der Verlust ihrer Einlagen, Gesamtwert: 57 Millionen Euro. Der Aufsichtsrat hat damit den Kampf gegen das langjährige Vorstandsmitglied Hannelore Winter verloren. Nachdem er sie vorige Woche vorläufig abgesetzt hatte, ist sie von den Vertretern fast einstimmig wieder ins Amt geholt worden.

Einige aufgebrachte Anleger waren zum Hotel Ramada in Lichtenberg gekommen, um ihrem Ärger auf die Aufsichtsratsmitglieder Luft zu machen. Empört sind sie über den bereits abgesetzten Vorstandsvorsitzenden Alexander Lottis, der die Krise der Genossenschaft publik gemacht hatte. „Da wollen ein paar Leute unsere Immobilien runterrechnen, um sich dann ein günstiges Schnäppchen zu sichern“, mutmaßte Rudi Hacker. Die Wohnungsgenossenschaften seien doch viel schlimmer dran als der Konsum: „Wir werden unsere Einlagen retten.“

Aufregung hat jüngst bei den Mitgliedern verursacht, dass der ehemalige Vorstandsvorsitzende Heinz Jäger sich eine Beratertätigkeit mit über 30 000 Euro im Monat bezahlen ließ. Dies wird nun offenbar auch Bergner angelastet, auch wenn er noch gar nicht im Aufsichtsrat war, als die Verträge mit Jäger abgeschlossen wurden. Zum Verhängnis geworden ist dem Aufsichtsratschef aber auch seine klare Unterstützung für Alexander Lottis.

Hannelore Winter wird nun versuchen müssen, in den nächsten Tagen den Banken ein Sanierungskonzept vorzulegen. Die haben der Genossenschaft die Kreditlinien gesperrt, ohne ihr Entgegenkommen droht am Monatsende die Zahlungsunfähigkeit. Winter hat außerdem angekündigt den Immobilienbesitz noch einmal begutachten zu lassen, in der Hoffnung, den Verlust des Vorjahres unter den von Lottis veranschlagten 96 Millionen Euro angeben zu können.

Dass die Anleger für das Missmanagement der Verantwortlichen werden bezahlen müssen, das wird allerdings auch von Winters Seite nicht mehr bestritten. „Wir können nicht davon ausgehen“, hieß es diese Woche aus dem Unternehmen, „dass die Einlagen unangetastet bleiben.“

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