Berlin : Kontrollierte Kontrolleure

Nach Kritik an rüdem Auftreten überwachen BVG-Mitarbeiter jetzt verstärkt ihre privaten Kollegen

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Nach der Kritik am zum Teil rüden Auftreten der privaten Fahrschein-Kontrolleure lässt die BVG jetzt diese Mitarbeiter verstärkt durch eigene Kontrolleure kontrollieren. Die Zahl wurde von 15 auf 80 erhöht. Zur Fahrkartenkontrolle selbst werden diese BVG-Mitarbeiter nicht eingesetzt; sie sollen die privaten Kollegen „nebenbei“ überwachen, sagte gestern BVG-Vorstand Hans-Heino Dubenkropp. Im Fahrschein-Kontrolldienst beschäftigt die BVG derzeit selbst 274 Mitarbeiter. Die Privatfirma Arge BVG setzt nach Angaben ihres Geschäftsführers Michael Bock-Petzolt 320 Kontrolleure ein; bis zum Jahresende sollen es 420 sein.

Auch unter den Beschäftigten der BVG, von denen nach Ansicht des Vorstandschefs Andreas Graf von Arnim etwa ein Drittel überflüssig ist, gebe es Interesse, in den Kontrolldienst zu wechseln, sagt der Vorsitzende des Gesamtpersonalrats, Uwe Nitzgen. Gespräche darüber habe es bisher aber nicht gegeben.

Die Kontrolleure sollen nach den Vorgaben des Vorstands bei den Kontrollen vor allem gegenüber Touristen kulanter sein, gleichzeitig aber wie bisher im Jahr 750 000 Schwarzfahrer ertappen. Die Quote liege derzeit bei sechs Prozent.

Unter der Kampagne „Fahr fair.BVG“ weist die BVG die „Lieben Schwarzfahrer“ darauf hin, dass die Kontrolleure so unauffällig seien wie sie. Wie bereits die Privaten werden in Zukunft nach von Arnims Angaben auch die BVG-Kontrolleure zum Teil wieder in Zivil auftreten. Unter Druck setzen will die BVG die Schwarzfahrer unter anderem auch mit der Aussage: „Liebe Schwarzfahrer: 40 Euro sind übrigens 80 Mark“. So viel müssen ertappte Sünder zahlen.

Weil vor allem ortsunkundige Fahrgäste oft unfreiwillig zum „Graufahrer“ werden, startet die BVG auch hier eine Kampagne. Auf den gekauften Fahrscheinen steht jetzt zusätzlich auf Englisch, dass diese noch entwertet werden müssen. Auch entsprechende Aufkleber auf dem Fußboden, die zwischen Automat und Entwerter angebracht werden, weisen in wichtigen Bahnhöfen darauf hin. Kontrolliert werden soll nur noch in den Fahrzeugen oder unmittelbar nach dem Aussteigen. Wer ohne Fahrschein nur zu einem Kiosk geht oder einen Fahrgast zum Zug begleitet, ist damit bei einer Kontrolle kein „Schwarzfahrer“ mehr. kt

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