Berlin : Kontrollierte Überflutung bei Schwedt

Schutzflächen sollen Wassermassen aufnehmen

Schwedt – Was für Urgewalten! Plötzlich schießt das Wasser los, rauscht durch das gerade einmal zehn Zentimeter geöffnete Wehr – und dann weiter in die Landschaft: Das ist der Moment, in dem am Freitag erstmals bei diesem Oderhochwasser, ein paar Kilometer nördlich Schwedts, ein Polder geflutet wird. Rund 40 bis 80 Millionen Kubikmeter Oderwasser werden in den nächsten beiden Tagen Wiesen überschwemmen, den Spiegel der Oder und damit den Druck auf die Deiche etwas absenken helfen und im Nationalpark Unteres Odertal einen 4500 Hektar großen See bilden. Das Ganze soll in erster Linie eine Hilfe für Polen sein, sagte Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD), der sich ein Bild von der Lage machte. Das weiter flussabwärts gelegene Stettin habe um diesen Schritt gebeten, den man bei der Jahrhundertflut 1997 erstmals praktizierte hatte.

Für das hochwassergefährdete Oderbruch, das tiefer als der Fluss liegt, hat die Flutung des 4500 Hektar großen Polders bei Schwedt keine Wirkungen mehr, sagte Matthias Freude, der Präsident des Landesumweltamtes. Die Gefahr für diesen Landstrich, in dem 15 000 Menschen leben, ist nach seinen Worten trotzdem zurückgegangen. Denn die Flutwellen aus Oder und Warthe werden sich nach jüngsten Prognosen nicht vereinigen. „Beide treffen zwei Tage versetzt ein.“

Am Morgen hatte mit der parlamentarische Staatssekretärin im Umweltministerium Katherina Reiche (CDU) erstmals ein Vertreter der Bundesregierung die Hochwasserregion besucht. Die Politikerin kündigte an, sich in der grenzüberschreitenden Kommission von Deutschland, Polen und Tschechien für bessere Abstimmungen einzusetzen. Auch bei diesem Hochwasser, so war sie von Freude informiert worden, hatte es anfangs große Kommunikationsprobleme mit polnischen Behörden gegeben.thm

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