Konzept des Senats : Schweinegrippe-Impfung: Die Stichfrage

Welches Präparat gegen die Schweinegrippe erhält die Berliner Landesregierung? Am Donnerstag stellt der Senat sein Impfkonzept für Berlin vor.

Werner Kurzlechner

„Pandemrix“ oder gar nix: Bei der Schweinegrippeimpfung ist in Berlin jeder gleich – zumindest was den Inhalt der Ampullen angeht. Auch der Regierende Bürgermeister und die Senatoren müssten wie jeder Berliner mit dem Präparat „Pandemrix“ vorliebnehmen, heißt es aus der Senatsgesundheitsverwaltung. Kein Grund also zur Aufregung wie auf Bundesebene, wo für die Regierung, wichtige Behörden und die Streitkräfte ein angeblich verträglicheres Präparat zur Verfügung steht: Diese Personengruppe erhält zum Schutz gegen die Schweinegrippe das Präparat „Celvapan“ des Herstellers Baxter, das anders als das für die breite Bevölkerung bestellte Pandemrix aus dem Hause GSK keinen Verstärker und keinen quecksilberhaltigen Konservierungsstoff enthält.

An der Frage des unterschiedlichen Impfstoffs entzündete sich in den vergangenen Tagen Kritik – dabei ist längst nicht erwiesen, welcher Impfstoff geeigneter und unbedenklicher ist. Pandemrix enthält den aus Haifischleber gewonnenen Verstärker Squalen, der auch gegen Mutationen des Schweinegrippeerregers schützen soll. Der in geringer Dosis beigefügte Konservierungsstoff Thiomersal soll die Impfbehälter vor Verkeimung bewahren. Nach heutigem Kenntnisstand gelten beide Impfstoffe als wirksam und sicher, wobei Pandemrix sogar an mehr Personen getestet wurde. Überhaupt ist die Impfung gegen die neue Influenza kein Beispiel für Zweiklassenmedizin. Auch Privatpatienten gelangen nur an Pandemrix. „Es gelten die gleichen Spielregeln für alle“, sagt Jens Wegner, Sprecher des Verbandes der privaten Krankenversicherer. Weil die anderen beiden in Europa zugelassenen Impfstoffe hierzulande nicht verfügbar seien, hätten auch Zuzahlungswillige keine Wahlmöglichkeiten.

Die Impfungen sollen in Berlin in der kommenden Woche beginnen. Der Senat plant, die Immunisierung der Bevölkerung auf rund 2000 Arztpraxen zu konzentrieren. Zunächst gehen die eintreffenden Dosen nach Angaben der Senatsgesundheitsverwaltung aber an die Arbeitsmedizinischen Dienste, um Schlüsselpersonal wie Polizei, Feuerwehr und medizinisches Personal zu impfen. Erst danach kommen Risikogruppen wie chronisch Kranke in den ausgewählten Praxen an die Reihe, gesunde Bürger erst in einer dritten Phase. Wie das Berliner Impfkonzept genau aussieht, will Gesundheitssenatorin Katrin Lompscher (Linke) am Donnerstag bekannt geben. Aus dem bundesweit federführenden Thüringer Gesundheitsministerium ist zu hören, dass sich nicht besonders gefährdete Bürger voraussichtlich ab Mitte November schützen lassen können. Falls sich kein enormer Andrang einstelle, seien möglicherweise bereits früher Termine zu bekommen, sagt Sprecher Thomas Schulz. Berlins Gesundheitsverwaltung empfiehlt Ärzten, auch Menschen, die nicht zu einer Risikogruppe gehören, aber auf einer Spritze bestehen, auch in den ersten Wochen nach Impfstart nicht per se abzuweisen. Schließlich dürfe der begrenzt verfügbare und nur kurz haltbare Impfstoff nicht verfallen, sagt Lompschers Sprecherin Regina Kneiding.

Lompscher geht als Gesundheitssenatorin voran und wird sich impfen lassen. Innensenator Ehrhart Körting (SPD) folgt diesem Beispiel voraussichtlich. Der Senator werde sich gemäß der Empfehlung der Gesundheitsverwaltung verhalten, heißt es aus seiner Behörde. Justizsenatorin Gisela von der Aue (SPD) wägt hingegen noch ab. Von der Aue schütze sich jedes Jahr gegen die herkömmliche Influenza, lasse die Impffrage in Sachen Schweinegrippe aber ohne Panik auf sich zukommen, heißt es aus der Senatsjustizverwaltung. Mit Humor nimmt man die Sache im Haus des im europäischen Ausland urlaubenden Finanzsenators Ulrich Nußbaum (parteilos, für SPD). „Wenn er zurück- kommt, stecken wir ihn erst einmal vorsorglich in Quarantäne“, witzelt Sprecher Daniel Abbou. Zu beschäftigt für die Impffrage scheint bisher der Regierende Bürgermeister zu sein. Man sei noch gar nicht dazu gekommen, darüber mit Klaus Wowereit (SPD) zu sprechen, so das Presseamt des Senats.

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