Konzepte für Tegel-Airport : Forscher auf den Flughafen

Wald, Wiese, Wissen: Die Planungen für die Nachnutzung des Airports Tegel werden vorangetrieben, am Montag werden die geänderten Planungsgrundlagen ausgelegt. Sogar der Umzug der Beuth-Hochschule ist im Gespräch.

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Alles Öko. Das Architektenbüro gmp entwarf einst den Flughafen Tegel und wirbt nun für eine dortige „Stadt der Zukunft“, in der sich alles um erneuerbare Energien dreht. Dieser Entwurf des Architekturbüros gmp sieht eine enge Bebauung entlang der beiden Rollbahnen vor, der Tegeler Forst würde erweitert.Weitere Bilder anzeigen
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08.01.2012 15:25Alles Öko. Das Architektenbüro gmp entwarf einst den Flughafen Tegel und wirbt nun für eine dortige „Stadt der Zukunft“, in der...

Im Moment ist der Flughafen Tegel ein weißer Fleck im Flächennutzungsplan. Doch in nicht einmal mehr als zwei Jahren soll, ja muss das Areal mit buntem Leben gefüllt sein. Oder mit Green Economy. Mit 4,6 Quadratkilometern ist das Flughafengelände noch etwas größer als das in Tempelhof. Dort entstand dank gekonnter minimalinvasiver Eingriffe der größte Freiraum der Innenstadt. Zuvor ist der Senat mächtig gescholten worden für das Vakuum, das er durch die Flughafenschließung erzeugte und dann nicht zu füllen vermochte.

In Tegel soll, um es mit den Worten von Altkanzler Gerhard Schröder auszudrücken, nicht alles anders laufen, aber vieles besser. Vor allem rechtzeitiger. Deshalb werden von diesem Montag an die geänderten Planungsgrundlagen – Flächennutzungsplan und Landschaftsprogramm – öffentlich ausgelegt. Und für Mittwochabend lädt die Stadtentwicklungsverwaltung zur fünften Standortkonferenz. Auf der sollen neben Senatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) auch Wirtschaftsstaatssekretär Jens-Peter Heuer (Linke) und der Architekt Meinhard von Gerkan sprechen, dessen Karriere 1965 mit dem Siegerentwurf für das wohlbekannte Tegeler Flughafengebäude begann. Der 76-Jährige hat vorgeschlagen, Tegel zum Schaufenster der Technik um die erneuerbaren Energien zu machen, und brachte am Wochenende auch gleich mögliche Großkonzerne wie Mercedes Benz als Nutzer ins Gespräch. In der Stuttgarter Konzernzentrale wusste man von diesen Plänen aber offiziell nichts.

Auf der Einladung zur fünften Standortkonferenz ist von einem „konkreten Standortprofil“ und einem „weiteren Meilenstein in der Bauleitplanung“ die Rede. Genauer wird die Stadtentwicklungsverwaltung auf Nachfrage nicht. Der neue Flächennutzungsplan sieht für Tegel einen zwei Quadratkilometer großen Gewerbe- und Industriestandort vor, eine ebenso große Frei- und Grünfläche sowie Platz, auf dem der Bezirk Reinickendorf mit dem Flughafengelände verwachsen kann. Genauso soll es sein, findet Jochen Brückmann, Leiter Stadtentwicklung bei der Industrie- und Handelskammer (IHK): „Der scheinbare Widerspruch zwischen Industrie und Naturschutz erscheint zunehmend als auflösbar. Das jetzt ausgelegte Konzept trifft genau die Intention der Wirtschaft.“ Aus Gesprächen mit Unternehmern kenne man deren Interesse am Standort Tegel, wo sich Industrie direkt neben Forschung ansiedeln könne. Hörsäle und Forschungslabors seien ebenso denkbar wie der Komplettumzug der Beuth-Hochschule für Technik, die sich derzeit noch in der Luxemburger Straße in Wedding befindet.

Einen Uni-Lehrstuhl hält auch der Reinickendorfer Wirtschaftsstadtrat Martin Lambert (CDU) für eine geeignete Initialzündung. Auch die Technische Universität mit ihrer Spezialisierung auf Energiewirtschaft und Verkehr biete sich an. Rings um so einen solchen Kern könnten sich Start-ups ansiedeln.

Einig sind sich die Beteiligten darin, dass der Standort eine Vermarktungsgesellschaft braucht. Das lehrt auch die Erfahrung mit dem erfolgreichen Wista-Management in Adlershof. Damit erst gar keine Lücke entsteht, würde Lambert für die Startphase sogar die Parole „Quantität vor Qualität“ ausgeben: Also lieber sofort eine interessierte Spedition aufnehmen, statt jahrelang auf eine Solarfirma zu hoffen. Aus demselben Grund würde Lambert auch „notfalls die Busse mal ein paar Monate leer fahren lassen“, statt Tegel abzuhängen. Zumal keine neue Wohnbebauung vorgesehen ist, die das Gelände beleben würde. Nur die zwischen Autobahn und Terminal gelegene Cité Pasteur soll nun doch auf Dauer bleiben.

Wenn am 2. Juni 2012 das letzte Flugzeug von TXL entschwebt, werden sich alle Augen nach Schönefeld wenden, zur Premiere des Willy-Brandt-Flughafens. Die Flughafengesellschaft schätzt, dass sie und ihre Kunden nach spätestens einem halben Jahr aus dem Hauptgebäude und den Anbauten heraus sind. Lambert sagt, es leere sich schon jetzt. Zwischen 5000 und 15 000 Arbeitsplätze verschwänden unvermeidlich mit dem Flugbetrieb.

Angesichts der grundsätzlichen Einigkeit dürfte der Flächennutzungsplan noch vor der Wahl vom Parlament verabschiedet werden. Die IHK lobt die Gründlichkeit des Senats und mahnt, nicht nachzulassen. Brückmann fände auch eine Internationale Bauausstellung für Gewerbeimmobilien reizvoll – vielleicht auch als Ergänzung zu der in Tempelhof (und nach dem Willen der Grünen auch im angrenzenden Neukölln) geplanten IBA 2020. Zu genau jener eröffnet die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung am heutigen Montag eine Ausstellung auf dem ehemaligen Airport.

Die Unterlagen werden vom 19. Januar bis 21. Februar bei der Stadtentwicklungsverwaltung ausgelegt: Am Köllnischen Park 3, Mo.-Fr. 8-16 Uhr, Do. bis 18 Uhr. Öffentliche Standortkonferenz am Mi., 19. Januar, 19-21 Uhr im Amerika-Haus, Hardenbergstr. 22-24 (am Bhf. Zoo).

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