Konzert in Köpenick : Rainald Grebe spielt in der Wuhlheide

Rainald Grebe lädt zu den musikalischen Weltfestspielen nach Oberschöneweide und fragt sich: Was ist Volksmusik? Das hätte er eigentlich schon vor einem Jahr tun wollen – und sagte einfach ab.

Luisa Jacobs
In Berlin, da kannste was erleben... Der musizierende Komiker Rainald Grebe hatte sein für Dezember geplantes Konzert in der Waldbühne im Vorjahr abgesagt – eine Begründung lieferte er auch am Dienstag nicht. Am 20. Juni soll es nun endlich soweit sein. Wer noch Karten hat: Die gelten noch.
In Berlin, da kannste was erleben... Der musizierende Komiker Rainald Grebe hatte sein für Dezember geplantes Konzert in der...Foto: Paul Zinken/dpa

Eines könne er schon mal versprechen für sein Konzert in der Wuhlheide, sagt Rainald Grebe: „Es wird strahlenden Sonnenschein geben am 20. Juni.“ Während der optimistische Liedermacher, mit Indianer-Kopfschmuck auf dem Haupt, die Werbetrommel für sein kommendes Konzert in der Berliner Wuhlheide rührt, prasselt knapp zwei Monate vor dem Konzert der Regen auf das Dach der Bühne in der Wuhlheide, als wolle das Wetter ihm lautstark widersprechen.

Denn mit Rainald Grebe und seinen Versprechen haben die Berliner so ihre Erfahrungen gemacht. Genau auf dieser Bühne, auf der Rebe heute blauen Himmel verspricht, hätte der Kölner Komiker eigentlich schon im Spätsommer 2014 stehen sollen. In Cottbus hat er gespielt, in Köln, Kassel und Hamburg auch. Nur nicht in Berlin. Obwohl Rainald Grebe Pläne für Berlin hatte, große sogar. Am 6. September 2014 schon wollte der Liedermacher mit seinem Wuhlorchester die Wuhlheide füllen. Und dann wurde im April, knapp ein halbes Jahr vorher, abgesagt – und gleich um ein Dreivierteljahr, auf den 20. Juni 2015 verschoben. Begründung? Keine – zumindest keine zufriedenstellende. Aus organisatorischen Gründen, lautete damals die kurze Erklärung auf der Website des Künstlers. Und auch am Dienstag klärt Grebe nicht auf.

Kunst und Künstler aus zwanzig Nationen

Nun lädt Rainald Grebe also wieder ein: zu den „Weltfestspielen“ in die Wuhlheide. Künstler aus zwanzig Nationen sollen dafür mit Grebe auf der Bühne stehen: Mustafa aus Marokko, der seit 18 Jahren in Leipzig lebt und fünf der Bläser des Wuhlorchesters aus Karlsruhe und Berlin sind heute schon für eine Kostprobe nach Oberschöneweide gekommen. Insgesamt werden am 20. Juni mehrere Dutzend Künstler zusammen musizieren. Nach einem Chor aus der Ferne, „aus Sachsen oder Griechenland zum Beispiel“, suche man noch.

Er habe sich thematisch am Veranstaltungsort orientiert, sagte Grebe: Im Sommer 1951 fanden in der Wuhlheide, die heute nach der Waldbühne die zweitgrößte Freilichtbühne Berlins ist, die Weltfestspiele der Jugend statt. Nun also die Weltfestspiele 2015. Deshalb soll es neben viel Komik und neuen Songs auch sportliche Einlagen geben. Ein Turnverein für Rhythmische Sportgymnastik werde erwartet. Auf die Zusage des 1. FC Union warte man noch. Wie immer wenn Grebe singt oder spricht, gehen Ernst und Unsinn fließend ineinander über.

Rainald Grebe in der Waldbühne
"Halleluja Berlin" oder Kleinkunst auf großer Bühne: Vor 20.000 Zuschauern trat Rainald Grebe in der Berliner Waldbühne auf.Weitere Bilder anzeigen
1 von 10Fotos: Thilo Rückeis
19.06.2011 10:56"Halleluja Berlin" oder Kleinkunst auf großer Bühne: Vor 20.000 Zuschauern trat Rainald Grebe in der Berliner Waldbühne auf.

Etwas ernster ist es Grebe jedoch mit der Frage, die über der ganzen Veranstaltung steht: Was ist Volksmusik? Eine Frage, die Grebe nach eigener Aussage schon lange umtreibt. „Sicherlich ist Volksmusik nicht mehr nur Florian Silbereisen“, so weit ist der Musiker mit seiner Antwort schon gekommen.

In Zeiten, in denen es Gruppen wie Pegida gibt und Menschen wieder „Wir sind das Volk“ rufen, müsse man sich auch mal wieder mit der Volksmusik auseinandersetzen, sagt Grebe – und wo gehe das besser als in einem Stadion? Die Stadionkultur könne einem viel über den Zustand der Volksmusik verraten. Wenn Grebe und das Wuhlorchester im Juni ein Lied anstimmen, sei auch immer der Volkschor, also das Publikum, eingeladen mitzusingen. „Wir sind ja auch das Volk hier, nur eben eine anderes als Pegida“, sagt Grebe.

Grebe will die einmalige Verschwendung feiern

Auch Grebe selbst habe schon ein Stückchen Volksmusik geschrieben – vor allem natürlich seine bitterböse Brandenburg-Hymne. „Da stehen drei Nazis auf dem Hügel und finden niemanden zum verprügeln, in Brandenburg, Brandenburg.“ Auf Grebes Konzerten zumindest gibt es wohl niemanden, der da nicht mitgröhlen kann. „Ich fühl mich heut so leer, ich fühl mich Brandenburg...“

Das Konzert in Berlin Wuhlheide soll eine einmalige Verschwendung – recyclebares Biofeuerwerk inklusive – werden, kündigt der Künstler an. „Das heißt, es soll so einmalig werden wie es schon einmal war“, sagt Grebe und lacht. So einmalig wie vor vier Jahren, als der Musiker mit der bolschewistischen Kurkapelle in der Waldbühne stand. Damals hatte der Künstler gerade seinen 40. Geburtstag gefeiert und angekündigt, so eine Jubiläumsshow zu seinem 50. Geburtstag zu wiederholen. Aber nun konnte es Grebe offenbar nicht abwarten: „Es ist einfach zu verlockend“, sagt er. Nach diesem zweiten Mal sei dann aber auch wirklich Schluss, verspricht der 44-Jährige. Er sei schließlich nicht Mario Barth. Aber ob er sein Versprechen diesmal hält? 

Rainald Grebe & Das Wuhlorchester spielen am 20. Juni 2015 um 19.30 Uhr auf der Kindl-Bühne (An der Wuhlheide 187) in Oberschöneweide. Tickets kosten 39,95 Euro. Die Karten für das abgesagte Konzert aus dem vergangenen Jahr behalten ihre Gültigkeit.

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