Berlin : Kopf oder Mauer?

Auch auf Münzen und Briefmarken ist das Wendejubiläum präsent. Selbst exotische Länder gedenken so der deutschen Geschichte

Andreas Conrad
280330_0_48e63f8c.jpg
Geschichte zum Kleben. Dieser Markensatz der Bundespost kam zum ersten Jahrestag des Mauerfalls heraus. Foto: Promo

Tuvalu ist ein Archipel von neun Inselchen im südwestlichen Pazifik, eine konstitutionelle Monarchie mit der Queen als Staatsoberhaupt und bei steigendem Meeresspiegel extrem existenzbedroht. Von Berlin und der deutschen Geschichte ist diese Ansammlung von Korallenriffen denkbar weit entfernt, und doch gedenkt man auch auf Tuvalu der „20 Jahre Mauerfall“. Besonders Münzsammler muss dies freuen, besteht doch das Gedenken in einem kreisrunden Silberling im Nennwert von einem Tuvaluischen Dollar. Der ist offizielles Zahlungsmittel, doch dafür wird ihn niemand verwenden: Die australische Perth Mint, wo das Geldstück geprägt wird, bietet es bereits für rund 45 Euro an, Schmuckschatulle inklusive.

Auf der Vorderseite dominiert die Zahl 20, „Fall of the Berlin Wall November 9th 1989“ ist zu lesen, eine Friedenstaube flattert vor blauem, mit Federwölkchen garniertem Himmel, die schrundige Fläche daneben soll wohl den Mauerbaustoff Beton darstellen. Selbstverständlich ist auch das Brandenburger Tor abgebildet, mit drei Fahnen geschmückt, eine sogar über der Quadriga – eine hübsche Idee, über die man auch hier nachdenken könnte.

Die Franzosen haben das symbolträchtige Tor ebenfalls ins Herz geschlossen, eigentlich seit Napoleon, dem besonders die Quadriga gefiel. Allerdings ist das Tor auf ihrer – erstmals in Berlin präsentierten – Mauerfall-Münze auf die Rückseite gerutscht, also die mit der Wertangabe. Diesmal zerbröselt die Mauer gleich zu einem ganzen Taubenschwarm, was ja für Berlin ohnehin typischer ist. Auf der Vorderseite ist eine allegorische Abbildung Europas zu sehen, ein Frauenkopf, umgeben von Flaggen, Sternen und Euros. Es gibt die Jubiläumsmünze als 10-Euro-Silbermünze und in Gold mit unterschiedlichem Nennwert.

Auch Kanada hat zum Wendejubiläum speziell für den deutschen Markt eine Fünf-Dollar-Münze herausgebracht, sich mit einer thematischen Gestaltung aber keine Mühe gegeben: Vorne ist das gewohnte Ahornblatt drauf, hinten die Königin.

Neu ist die Idee einer Mauerfall-Münze aber keineswegs: Schon 1999 kam Somalia mit zwei Münzen über 25 und 250 Shilling heraus, die Abbildung zeigt den Mauerdurchbruch am Brandenburger Tor, wie man ihn sich in Mogadischu eben vorstellt. Oben auf der Krone schwingt ein Mann dramatisch eine Spitzhacke, die Sonne, die alles überstrahlt, sieht eher afrikanisch als berlinisch aus. Ein Jahr später kam auch die Isle of Man mit einer Münze zu Berlin 1989 heraus.

Deutschland selbst wird den 20. Jahrestag des Mauerfalls überraschenderweise nicht mit einer Münze würdigen. Immerhin hat die Münze Berlin eine Gedenkmedaille herausgebracht und bietet sie für zehn Euro zum Erwerb an. Auf der einen Seite sind vor dem Umriss der wiedervereinigten Stadt zwei Bären zu sehen, auf der anderen im Hintergrund der neue Potsdamer Platz, vorn eine freudig erregte, offenbar die Wiedervereinigung feiernde Menschengruppe, links daneben die Instrumente der Teilung: Wachturm, Stacheldraht, Mauer. Auf dem Betonwall prangen ein Herz samt Friedenssymbol, überraschend steht daneben statt „Peace“ nur „Peanut“.

Auch die Briefmarkensammler werden im Jubiläumsjahr nicht leer ausgehen, müssen sich aber noch gedulden. Erst am 8. Oktober kommt die Deutsche Post im Auftrag des Bundesfinanzministeriums mit einer 55-Cent-Marke „20 Jahre friedliche Revolution“ heraus. Einen Satz Marken zum selben Thema hatte es bereits zum ersten Jahrestag des Mauerfalls gegeben: eine 100-Pfennig-Marke mit dem unvermeidlichen Brandenburger Tor samt der von vereinigungstrunkenen Berlinern überfüllten Mauer und eine 50-Pfennig-Marke, erneut mit der Mauer, jedoch nachdem sie von Mauerspechten völlig durchlöchert worden war.

Andreas Conrad

» Mehr lesen? Jetzt kostenfrei E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben