Berlin : Kopfprämien für die Bildung

Experte will Wettbewerb zwischen Schulen stärken

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Bessere Schulen durch mehr Wettbewerb – so lässt sich das Konzept von Charles Blankart zusammenfassen. Der Professor für öffentliche Finanzen an der HumboldtUniversität stellte sein Modell auf einer Podiumsdiskussion der FDP-Fraktion Berlin zur Diskussion. Nach seinem Vorschlag können alle Eltern die Schule ihrer Kinder frei und ohne Wohnortbindung wählen. Für jedes Kind gibt es vom Land einen „Gutschein“, der den Kosten der Schulbildung des jeweiligen Kindes entspricht – wobei es für Problemfälle oder bei besonderen Lernschwierigkeiten höhere Zuwendungen gibt. Die Schulen können dieses Geld nach eigenem Ermessen für Personal, Lehrmittel und andere Sachkosten ausgeben. Qualitätsstandards und Lehrpläne werden weiterhin vom Staat vorgegeben.

Blankart sieht den Vorteil des Modells darin, dass die Schulen mehr Eigenverantwortung erhalten und sich für die Verwendung ihrer Mittel vor den Eltern rechtfertigen müssen. „Sobald eine Schule die gewünschte Qualität nicht erreicht oder zu teuer ist, muss sie sich fragen, was sie falsch macht und wird sich verändern“, erwartet Blankart. Außerdem stehen die Schulen in Wettbewerb miteinander – und zwar die staatlichen ebenso wie die freien, die ersteren in Blankarts Modell gleichgestellt sind. Im Wettbewerb um die Schüler, also um Geld.

Eigenverantwortung und Rechtfertigung der Schulen: Für diese Ideen kann sich auch Thomas Härtel (SPD), Staatssekretär der Senatsverwaltung für Bildung, erwärmen. Er will in Kürze damit beginnen, die Personalausstattung und den Unterrichtsausfall jeder Berliner Schule im Internet zu veröffentlichen. Allerdings sei ein Umbau des Systems auf die „Gutschein-Methode“ kurzfristig nicht möglich. So sei die Senatsverwaltung beispielsweise nicht in der Lage, die Kosten jedes Schülers zu berechnen.

Ablehnung kam von Ulrich Thöne, dem Vorsitzenden der Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft (GEW) Berlin. Hauptkostenpunkt bei der Bildung sei das Personal. Thöne fürchtet, dass sich bei einem Gutschein-System die Lehrergehälter verringern könnten. Mieke Senftleben von der FDP-Fraktion und Detlev Hardop von den freien Schulen in Brandenburg begrüßten das Modell. ffa

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