Berlin : Korrekter Rap: Fler und Muhabbet am Mikro

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„Sie ist die perfekte Mischung, sie kommt aus zwei Welten, sie ist im Club präsent, ist gut erzogen, hat Temperament, Guck Boy, für sie geb’ ich mein letztes Hemd.“ Fast erkennt man ihn in diesen braven Zeilen nicht wieder, den Gangster-Rap vom Schöneberger Independent-Label „Aggro Berlin“. Doch für das Lied „Çüs Junge“ haben sich Antipoden aus zwei Welten vereint: der Berliner Aggro-Hip-Hopper Fler, 24, und der politisch völlig korrekte deutsch-türkische Arabesk-Sänger Muhabbet, 21, aus Köln. Çüs, das bedeutet bei jungen Migranten und ihren deutschen Kumpels so viel wie geil, cool.

Die Idee zum musikalischen Crossover-Liebeslied kam den beiden Sängern, als sie sich in einem Studio kennen lernten. Seit dem Erscheinen des deutsch-türkischen Songs laden sich immer mehr Fans den Track übers Netz oder das Internetradio von Aggro herunter. Fler provozierte einst mit deutschtümelnden Symbolen, kokettierte mit seinen intensiven Kontakten zur Polizei, war in der Psychiatrie. Jetzt hat er offenbar Kreide gefressen und ist wie Muhabbet Botschafter der Bravo- Kampagne gegen Gewalt an Schulen. Auch in Berlin und Brandenburg diskutieren die beiden über Lebensentwürfe trotz Perspektivlosigkeit.

Vor den Schulklassen gibt sich Fler handzahm. Mit Texten, die Gewalttaten detailliert beschreiben, werden Aggro-Künstler wie er aber immer wieder indiziert – wie passt das zusammen? Die Musiker sprechen schlicht die Sprache der Straße, heißt es bei der Plattenfirma. Und Fler rappt: „Ihr wollt uns verbieten, aber wir sind das Produkt von euch.“ Die Produktionen seien für die Hörer Ventil, für die Musiker eine Chance zu zeigen, dass sie was können. Für junge Berlinerinnen sind sie womöglich Karriere-Sprungbrett: Aggro Berlin sucht ständig Statistinnen für Musikvideos. kög

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