Berlin : Korruption im Bezirksamt: Für Geld gab’s Aufenthaltsrecht

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Die Mitarbeiterin des Bezirksamtes wurde nach ihrer Version regelrecht angefüttert: „Frau P. fragte, ob sich unsere Familien zum Essen treffen könnten“, erklärte Simone S. gestern den Richtern. Frau P., die aus Vietnam stammt und in Berlin als Dolmetscherin arbeitete, zahlte für alle. Später gab es Sekt, Wein oder Konfekt – und Bares. Simone S. soll in zwölf Fällen illegal Aufenthaltstitel beschafft und im Gegenzug jeweils 1000 Euro von Frau P. und einem weiteren Vietnamesen kassiert haben.

„Ich habe mitgemacht, um meine Schulden wegzukriegen“, gestand die 42-jährige ehemalige Mitarbeiterin des Bezirksamtes Mitte. Sie sei damals Alleinverdienerin gewesen. Aber ihr Lebenspartner hätte für seinen hohen Lebensstandard viel Geld gebraucht. 56 000 Euro Schulden hätten sich angehäuft. „Ich wusste nicht mehr, was ich machen sollte.“ Da sei das Angebot der Vietnamesin gekommen, die sie als Kundin im Amt kennengelernt hatte. Der Schwindel begann laut Anklage im Jahre 2002. Da soll Simone S. hundert Blanko-Formulare für Aufenthaltstitel entwendet haben.

Mit solchen Klebeetiketten hatte sie regelmäßig zu tun. Sie gelten für Fälle, in denen ein bereits hier lebender Ausländer von seinem Konsulat einen neuen Pass erhalten hat. Die laufende Aufenthaltsgenehmigung wird mittels des Etiketts in das neue Dokument übertragen. In 12 Fällen soll sie diese Blanko-Formulare gegen Geld mit Namen von Vietnamesen ausgefüllt haben, die illegal in Deutschland lebten oder eingeschleust werden sollten. Sie habe ein amtliches Siegel angebracht und die Urkunde unterschrieben, hieß es in der Anklageschrift.

Der Schwindel flog erst Ende 2005 auf. Da hatte ein Polizist bei der Kontrolle eines Vietnamesen, der ein von Simone S. geliefertes Etikett in seinem Ausweis hatte, Verdacht geschöpft. Seit Ende August 2006 ist sie ihren Job los. Vor Gericht sitzt sie gemeinsam mit der 57-jährigen P. und einem weiteren Vietnamesen. Der Prozess wird am Donnerstag fortgesetzt. K. G.

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