Korruptionsprozess : Handel mit Einreisepapieren

Eine Angestellte des Bürgeramtes soll mit zwei Mitangeklagten zwölf Vietnamesinnen falsche Aufenthaltstitel verschafft haben. Dafür habe sie Bestechungsgelder angenommen.

Berlin - In einem Prozess um Korruption im Bezirksamt Mitte müssen sich eine 42-jährige frühere Angestellte des Bürgeramtes und zwei Mitangeklagte vor dem Berliner Landgericht verantworten. Der Ex-Angestellten und den beiden Vietnamesen im Alter von 57 und 63 Jahren, darunter eine Dolmetscherin, wird vorgeworfen, als Bande von 2002 bis 2005 zwölf Vietnamesen unberechtigt Aufenthaltstitel verschafft zu haben.

Die 42-Jährige soll Blankoformulare entwendet, diese mit den Namen der Betroffenen ausgefüllt, die Papiere mit amtlichen Siegel versehen und für jeweils 1000 Euro an die beiden Mitangeklagten verkauft haben. Ihr wird neben Beihilfe zum bandenmäßigen Einschleusen von Ausländern auch Bestechlichkeit vorgeworfen. Die beiden Vietnamesen sollen die Papiere an illegal in Deutschland lebende oder einreisewillige Landsleute für 7000 bis 10.000 Euro weiterverkauft haben.

Zu Prozessbeginn äußerte sich nur die frühere Angestellte zu den Vorwürfen. Sie habe mitgemacht, um von ihren Schulden weg zu kommen, gestand die allein erziehende Mutter. Nach der Trennung von ihrem Freund sei ihre finanzielle Situation sehr schlecht gewesen.

Die 57-jährige Mitangeklagte habe sie in den 90er Jahren als "Kundin" im Bürgeramt kennen gelernt, sagte die 42-Jährige. Später habe sie auch privat Kontakt zu ihr gehabt. Mit ihrer Versetzung in die Postbearbeitung zum Juli 2006 habe sie gehofft, dem "Ganzen ein Ende setzen zu können", sagte die 42-Jährige. Sie wurde im August 2006 festgenommen. Der Prozess wird am Donnerstag fortgesetzt. (tso/ddp)

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