Berlin : Kostbare Aussichten

Als erste Gäste durften Diplomaten einen Blick in das neue Ritz-Carlton-Hotel am Potsdamer Platz werfen

Lothar Heinke

Die Langhans-Suite hat die Zimmernummer 339, besteht aus drei Räumen und wirkt verspielt-elegant. An edlen Hölzern und teurem Marmor wurde nicht gespart, Bett und Bad samt Whirlpool laden ein, eine Stunde zu spät zur Konferenz zu kommen. Im Schreibtisch liegt eine kleine merkwürdige Reminiszenz an ferne Zeiten – vielleicht an Theodor Fontane, der früher gleich um die Ecke gewohnt hat: Tintenfass, Federhalter und Büttenpapier. Alles schön und echt. Kronleuchter, Marmor aus aller Welt. Auch am Kamin. Aber der darf nicht mit echtem Holz betrieben werden, sondern nur mit Gas, Deutschlands Feuerwehrregeln wollen es so. „Trotzdem ist alles sehr schön“, loben übereinstimmend jene Damen und Herren Diplomaten, die sechs Wochen vor der offiziellen Eröffnung das neue Hotel Ritz-Carlton am Potsdamer Platz besuchten und dabei hören, dass die Langhans-Suite 3300 Euro kostet, im Eröffnungsmonat Januar aber schon für 1800 Euro pro Nacht zu haben ist. Etwas billiger sind die „normalen“ Zimmer: Für 330 Euro gibt es eine kultivierte Annehmlichkeit, die der Gast, der bis zum 25. April bucht, schon für 165 Euro genießen kann. Die Diplomaten erfahren, dass sich der Kölner Innenarchitekt Peter Silling bei der Gestaltung der 300 Gästezimmer von Karl-Friedrich Schinkel inspirieren ließ, das Haus sei eine Hommage an das Spätempire mit antiken Dekorationselementen und eigens für das Hotel geschaffenen Möbeln. „Ich hatte eigentlich etwas Modernes erwartet“, sagt eine Diplomatin aus Fernost, „aber man kommt eben immer wieder auf eine Atmosphäre gediegener Gemütlichkeit zurück – siehe Adlon oder Four Seasons.“

Das Hotel zieht sich bis zur elften Etage im 18-stöckigen Beisheim-Center. Die oberen Stockwerke beherbergen luxuriöse Eigentumsresidenzen, deren Preis selbst weit gereisten Diplomaten eine vornehme Blässe ins Gesicht treibt: Für 9500 Euro pro Quadratmeter hat man hier schöne Aussichten.

4500 Berliner hatten Schlange gestanden, um sich für einen Job im Dienstleistungsbereich, für Küche, Restaurants und Sauna zu bewerben. 350 wurden genommen. Und da die neue Crew erst Ende Dezember mit der Arbeit beginnt, müssen die Damen und Herren vom Management-Bereich die Voreröffnungs-Veranstaltungen mit „von Herzen kommendem Lächeln“ bestreiten, wie es die Ritz-Carlton-Philosophie und Generaldirektor Walter Junger verlangt. „Kronleuchter hängen überall, die hat man rasch vergessen. Aber das Lächeln, das Ihnen entgegenstrahlt, bleibt in Erinnerung“, sagt der 39-jährige gebürtige Salzburger. Hier gibt es so viel Lächeln wie Kronleuchter, einen großen Ballsaal, eine eindrucksvolle Küche. Und eine Noch-Baustelle ringsum.

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