Berlin : Kosten und Nutzen der Kultur

Der Rechnungshof ist gegen ein neues Eingangsgebäude und gegen einen Tunnel auf der Museumsinsel – andere verteidigen die Ideen

Christian van Lessen

Soll nur Altes saniert oder kann auch Neues gebaut werden? Mit seiner Kritik am vorgesehenen Ausbau der Museumsinsel scheint der Bundesrechnungshof die Planung ins Wanken gebracht zu haben. Es geht um 130 Millionen Euro, die der Bund nach Auffassung der Prüfer sparen könnte, wenn bei der Sanierung der Insel auf ein neues zentrales Eingangsgebäude (71 Millionen Euro) und eine unterirdische „archäologische Promenade“ zwischen den Museen (59 Millionen Euro) des Weltkulturerbes verzichtet wird. Die grüne Bundestagsabgeordnete Franziska Eichstädt-Bohlig teilt die Bedenken und kündigte an, das Parlament wolle sich alle zwei bis drei Monate mit dem „komplizierten Projekt“ beschäftigen. Vor allem die aufwändige Verbindung der Untergeschosse bereite wegen des Pfahl-Untergrunds der Insel Sorgen. Sibylle Meister dagegen, die kulturpolitische Sprecherin der FDP-Fraktion im Abgeordnetenhaus, hält die Kritik der Rechnungsprüfer für „kurzsichtig“. Der mitschwingende Vorwurf der Verschwendung sei unbegründet. Mit den ergänzenden Neubauten könnten mehr Besucher kommen (bislang zwei Millionen im Jahr) und bequemer die ausgedehnten, weltberühmten Sammlungen besichtigen. Im Vergleich zum Gesamtaufwand für die Sanierung der Insel seien die Zusatzkosten für Promenade und neues Eingangsgebäude tragbar.

Die Rechnungsprüfer befürworten dagegen eine Minimal-Variante, die sich auf die reine Sanierung der Museen beschränkt. Sie empfehlen der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, den „Masterplan“ – das Leitbild der Ausbauplanung von1999 – zu überarbeiten. Die Gesamtbaukosten hätten sich auf fast 1,5 Milliarden Euro erhöht (1999 erwartete man noch 900 Millionen Euro). Für die Promenade müsse der Kellerfußboden des Pergamonmuseums abgesenkt werden. Dies führe zu umfangreichen Arbeiten im Grundwasserbereich und zu „Eingriffen in das statische Gefüge des Bauwerks“.

Das gesamte Projekt sollte zunächst 2010 vollendet sein. Die Stiftung rechnet jetzt mit einer Fertigstellung 2015, der Rechnungshof mit 2019. Stiftungspräsident Klaus-Dieter Lehmann versichert, mit dem Bau des neuen Eingangsgebäudes – entworfen vom Briten David Chipperfield – erst dann zu beginnen, wenn die Sanierung der alten Museen fertig ist. Auch die Promenade sei vorerst auf Eis gelegt, es entstünden in den Bauten lediglich „Anschlussstellen“.

Obwohl hinter den Kulissen bereits Sanierungsalternativen geprüft werden, zeigt sich der Bund, vertreten durch Kulturstaatsministerin Christina Weiss, vom bisherigen Plan überzeugt. Wolle Berlin mit modernisierten Museen in Paris, Rom, London und New York mithalten, brauche es ein zukunftsfähiges Konzept, um den Besucherverkehr zu bündeln: Mit einem zentralen Eingangsgebäude zwischen Neuem Museum und Kupfergraben, das Kasse, Café, Restaurant, Shops und kleinere Ausstellungsflächen bietet. Die alten Zugänge der Museen bleiben erhalten.

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