Berlin : Kostenlose Kita lockt Eltern an

Erfahrungen im Saarland sprechen für Gebührenfreiheit

Susanne Vieth-Entus

Die Abschaffung der Elterngebühren könnte tatsächlich dazu führen, dass noch mehr Familien als bisher ihre Kinder in Kitas betreuen lassen. Die Erfahrungen im Saarland zeigen, dass der Anteil der sogenannten „Hauskinder“ von 4,7 auf 1,5 Prozent gesunken ist, seitdem dort im Jahr 2000 das letzte Kita-Jahr für die Eltern kostenfrei ist. Noch deutlicher hat sich das Verhalten der Migranten geändert: Hier sank der Anteil der nur zu Hause betreuten Kinder von 6,1 auf 3,7 Prozent.

Dieses Ergebnis ist allerdings teuer erkauft: Immerhin verzichtet das Saarland auf rund 7,5 Millionen Euro Elternbeiträge pro Jahr. Von der zunächst geplanten Kostenbefreiung auch im ersten und zweiten Kita-Jahr hat sich das Saarland jedoch längst verabschiedet – aus fiskalischen Grünen, wie es gestern im saarländischen Bildungsministerium hieß.

Anders die Situation in Rheinland- Pfalz. Es ist das einzige Bundesland, dass sich – wie jetzt auch Berlin – die Kostenbefreiung für alle drei Kita-Jahre vorgenommen hat. Seit Januar 2006 ist hier bereits das letzte Kita-Jahr vor der Einschulung für die Eltern kostenfrei. Ob sich dadurch ähnlich wie im Saarland die Nachfrage erhöht habe, konnte das zuständige Ministerium gestern nicht sagen. Bisher besuchten hier 93 Prozent der Kinder eine Kita im letzten Jahr vor der Einschulung.

In Berlin werden zurzeit rund 95 Prozent der Fünfjährigen und rund 90 Prozent der Drei- bis Vierjährigen betreut. Falls die Kostenbefreiung dazu führen würde, dass alle Eltern ihre Kinder in die Kita schickten, würde das bedeuten, dass rund 7500 Plätze zusätzlich benötigt würden. Dies hieße aber nicht unbedingt, dass neue Kitas gebaut werden müssten: Noch gibt es viele freie Kapazitäten in den vorhandenen Kitas und auch einen hohen Personalüberhang, so dass nicht sofort hunderte neue Erzieherinnen eingestellt werden müssten.

Grundsätzlich bleibt die Frage, ob es sich bildungspolitisch auszahlt, auf 48 Millionen Euro Elternbeiträge zu verzichten, nur um die relativ wenigen Kinder in die Kita zu locken, die lediglich aus Kostengründen den Betreuungseinrichtungen fernbleiben. Die Grünen würden diese Frage eher mit einem „Nein“ beantworten. Ihnen scheint es sinnvoller, nur die Geringverdiener von der Gebühr zu befreien und ansonsten die Elternbeiträge für eine Qualitätsverbesserung der Kitas zu nutzen. „Mehr Erzieherfortbildung und mehr Personal“, seien wichtiger, als dass auch gut verdienende Eltern von der Gebühr befreit würden, meinte gestern die Spitzenkandidatin der Bündnisgrünen, Franziska Eichstädt-Bohlig.

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