Berlin : Kostenstreit am Bahnhof Gesundbrunnen: Die Bauarbeiter bleiben weg

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Der Lückenschluss am Nordring der S-Bahn hat bereits eine jahrelange Verspätung - und jetzt ruhen am Bahnhof Gesundbrunnen auch noch die Arbeiten. Das Bauunternehmen Teza hat bereits am Montag seine Mitarbeiter abgezogen, weil es Streit mit der Bahn über die Kosten gibt. Wann die Bauarbeiter zurückkehren, ist ungewiss. Die Bahn hat der Firma eine Frist bis Dienstag, 12 Uhr, gesetzt. Sonst werde man ein anderes Unternehmen mit dem Weiterbau beauftragen, kündigte der Sprecher der DB Verkehrsbau, Michael Baufeld, an.

Das Bauunternehmen Teza macht nach Angaben seines Bauleiters Jens Teich Nachforderungen in Höhe von 14,3 Millionen Mark geltend. 2,2 Millionen Mark davon seien so genannte Nachträge für zusätzliche Leistungen, 12,1 Millionen Mark habe dagegen die 15-monatige Bauzeitverlängerung an Kosten verursacht, sagte Teich. Teza beruft sich dabei auf ein von ihr in Auftrag gegebenes Gutachten, das von der Bahn derzeit geprüft wird.

Die Bahn war nach Baufelds Angaben bereit, zunächst 3,7 Millionen Mark zu überweisen. Davon entfielen 1,7 Millionen Mark auf nachgewiesene erbrachte Leistungen, und 2 Millionen Mark sollten als Abschlagszahlung für die Ansprüche nach dem Gutachten gezahlt werden. Dafür will die Bahn aber eine Bürgschaft haben, was Teza wiederum ablehnt. "Wir haben die durch die Bauzeitverlängerung verursachten Kosten vorfinanziert", sagt Teich.

Die Ursache der Terminüberschreitung sieht er in einer nach seinen Angaben von der Bahn vorgelegten unzureichenden Planung. Falsche Berechnungen habe es unter anderem bei der Gründung gegeben. Außerdem seien viele Baustoffe in der Mengenangabe "unterdimensioniert" gewesen. Teza baut am Bahnhof Gesundbrunnen die Platte über den Bahnsteigen und den Bahnsteig A für die S-Bahn. Außerdem ist das Unternehmen, das 300 Mitarbeiter hat, an weiteren Baustellen auf dem Bahn-Nordkreuz aktiv.

Nachforderungen sind beim Bau längst üblich. Sie werden oft durch Planungsänderungen verursacht; allerdings kalkulieren viele Firmen auch bereits beim Angebot bewusst zu niedrig, um den Auftrag zu erhalten. Die Bahn prüft die Nachforderungen akribisch, zumal ihr vorgeworfen wird, bei Bauten in der Vergangenheit zu schlecht gewirtschaftet zu haben, was zu erheblichen Kostensteigerungen geführt hat.

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