Kottbusser Tor : Kiosk soll Drogenszene auf Mittelinsel locken

Runter von der Straße: Kreuzberg will die Drogen- und Trinkerszene am Kottbusser Tor weg von den Gehwegen und an den U-Bahn-Zugängen leiten.

Alina Stiegler

Kreuzberg will die Drogen- und Trinkerszene am Kottbusser Tor auf die Mittelinsel des Platzes verlagern. Bezirksbürgermeister Franz Schulz (Grüne) plant, unter der Hochbahn einen Kiosk für die Abhängigen einzurichten, es soll Sitzbänke und Toiletten geben. Derzeit trifft sich die Szene noch auf Gehwegen und an den U-Bahn-Zugängen.

Mit einem ähnlichen Modell hat der Bezirk bereits am Mehringplatz gute Erfahrungen gesammelt. Am Rande des Platzes, unweit des Halleschen Ufers, stehen zwei ausrangierte überdachte BVG-Wartehäuser, daneben ein Halbkreis mit Parkbänken und eine Toilettenkabine. „Natürlich ist es eine Abschiebung“, sagt Peter Schultz vom Quartiersmanagement, „dennoch wollten wir alle Parteien im Kiez integrieren. Uns war wichtig, das Trinkerklientel von Anfang an miteinzubeziehen.“

Früher hatten sich Bewohner und Gewerbetreibende über die ständige Belagerung des Mehringplatzes durch Betrunkene beschwert, „auch für Touristen ist das keine schöne Begrüßung gewesen“, sagt der Quartiersmanager. Die Lösung: Ein eigener Platz etwas abseits und Mitspracherecht bei der Gestaltung. „Wir können offen mit ihnen reden, sie akzeptieren das QM und verstehen auch, dass sie abschreckend auf Anwohner und Touristen wirken“, sagt Schultz. Da der neue Platz im ersten Jahr gut angenommen worden ist, gab es zur Belohnung eine Überdachung: Die BVG stiftete die beiden Wartehäuser. „Es klappt gut, sie sind zufrieden mit ihrem Platz“, sagt Kiosk-Betreiber Adil Firat, bei dem die Trinker zu den besten Kunden zählen.

„Mal ist es laut, aber sie sind eigentlich harmlos“, erzählt ein Anwohner. Früher sei es vor allem im Sommer schlimm gewesen, wenn sich 20 Mann nach ihrem Gelage in den Büschen und auf dem Rasen erleichterten. „Das hat furchtbar gerochen.“ Die Stimmung in der Nachbarschaft habe sich spürbar gebessert, seit die Trinker „in 80 Prozent der Fälle auf ihrem Platz“ bleiben. Der Mann möchte seinen Namen nicht nennen, denn inzwischen gebe es im Kiez noch ein ganz anderes Problem: „Die Gegend hat sich verändert. Jugendliche Kriminalität und Gewalt hat zugenommen, die randalieren und suchen Streit.“

Quartiermanager Schultz ist froh, dass er zunächst das Problem mit den Trinkern lösen konnte. „Wir haben sie nicht von oben herab behandelt. Heute sind sie stolz auf ihren Platz und pflegen ihn.“ In den BVG-Häuschen findet man heute nicht nur die üblichen harten Bänke, auch ein Polstersessel steht dort. Etwas nachhelfen muss Schultz dennoch, „sie sammeln sich morgens immer erst auf dem Mehringplatz, da bedarf es täglich einer morgendlichen Ansprache“. Eine Bewohnerin bleibt trotz aller Erfolge skeptisch: „Im Moment sind keine Trinker hier, meinen Kindern erlaube ich trotzdem nicht, hier zu spielen“, sagt Safa Azzam. Alina Stiegler

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