Kottbusser Tor : Mit Hightech gegen Dealer und Schwarzfahrer

Die BVG will das Kottbusser Tor zum Musterbahnhof für Videoüberwachung machen - mit beweglichen Kameras und Gesichtserkennung. Die Hightech-Geräte könnten sogar bei Drogenhandel Alarm auslösen.

Klaus Kurpjuweit

Die BVG will den U-Bahnhof Kottbusser Tor in Kreuzberg zu einem Musterbahnhof für Videoüberwachung machen und dabei verschiedene technische Varianten testen. Die Station, an der sich die Linien U1 und U8 kreuzen, ist ein Kriminalitätsschwerpunkt im Netz der U-Bahn. Zuletzt waren am Donnerstag zwei Mitarbeiter bei einer Fahrscheinkontrolle durch Messerstiche eines Schwarzfahrers verletzt worden.

Die Kontrolleure waren nach Angaben der Polizei von dem zuvor ertappten Schwarzfahrer auf dem Bahnsteig mit einem Teppichmesser attackiert und an der Hand sowie am Unterarm verletzt worden. Zudem wurde einer der Mitarbeiter gebissen. Mit Hilfe weiterer Kollegen konnte der Mann bis zum Eintreffen der Polizei an der Flucht gehindert werden. Später ließ sich der Angreifer wegen Schmerzen im Rücken in einem Krankenhaus behandeln. Das Messer sei von einem Schaulustigen gestohlen worden, teilte die Polizei weiter mit.

Unabhängig davon forciert die BVG Pläne, den Bahnhof, in dem auch intensiv mit Drogen gehandelt wird, durch moderne Videotechnik komplett überwachen zu lassen. Ziel sei vor allem, die technischen Möglichkeiten zu testen, die heute von der Industrie angeboten werden, sagte BVG-Chef Andreas Sturmowski. Die Industrie solle sich deshalb auch an den Kosten beteiligen, deren Höhe noch nicht feststehe. Auch die Polizei habe ein hohes Interesse an dem Versuch. Innensenator Ehrhart Körting (SPD) unterstützt das Vorhaben ebenfalls, wie er dem Tagesspiegel sagte. Gespräche mit dem Datenschutzbeauftragten hat es allerdings noch nicht gegeben, wie dort ein Sprecher sagte.

Bereits jetzt lässt die BVG in allen U-Bahn-Stationen Kameras laufen, deren Aufnahmen 24 Stunden lang gespeichert werden. Nach einem Vorfall sollen die Bilder von der Polizei ausgewertet werden. Deren Nachfragen nach Aufnahmen nahmen seit Beginn der Aufzeichnungen stetig zu und konzentrierten sich zuletzt auf die U 7 (Rathaus Spandau–Rudow) und U 8 (Wittenau–Hermannstraße).

Bisher sind die Kameras meist starr befestigt. Im Musterbahnhof Kottbusser Tor sollen auch bewegliche Kameras installiert werden, die einem Verdächtigten optisch folgen können. Deshalb sollen auch im Zwischengeschoss und in den Eingangsbereichen Kameras installiert werden. Derzeit hängen sie meist nur auf den Bahnsteigen.

Moderne Kameras können aber noch mehr. Sie sind auch in der Lage, durch ein biometrisches Verfahren Gesichter von Verdächtigen zu erkennen, nach denen die Polizei fahndet. Einen Versuch mit dieser Technik hatte es bereits 2006/2007 im Mainzer Hauptbahnhof gegeben. Noch weiter entwickelte Systeme sollen so programmiert werden können, dass sie auf bestimmte Bewegungsabläufe reagieren, wie sie beim Drogenhandel typisch sind. Die Kamera löst dann einen Alarm aus. Sinnvoll seien solche Überwachungen aber nur, wenn auch gewährleistet sei, dass die Polizei schnell eingreifen könne, heißt es im Bericht des Bundeskriminalamts zu dem Mainzer Versuch. Nicht nur deshalb wünscht sich Sturmowski auch wieder gemeinsame Streifen von BVG-Mitarbeitern mit der Polizei, aus denen sich die Polizei zurückgezogen hat.

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