Kottbusser Tor : Nachbarn gegen Fixerbusse

Rund 50 Anwohner boykottieren mit einer Sitzblockade die Ankunft von drei Bussen am Kottbusser Tor. Dreimal in der Woche sollen hier mobile Hilfsstationen für Junkies ein paar Stunden lang stehen.

Ferda Ataman

Als Bezirksstadtrat Knut Mildner-Spindler von seinem Fahrrad steigt und zu der kleinen Gruppe stößt, kochen die Emotionen bereits hoch: „Warum müssen die Fixermobile jetzt vor unserer Haustür stehen?“, fragt ein junger Mann. „Sie ignorieren die Interessen der Bürger am Kotti“, brüllt ein anderer den Sozialpolitiker aus dem Bezirksamt an. Rund 50 Leute boykottieren gerade die Ankunft von drei Bussen auf dem Platz am südlichen Kottbusser Tor, am Anfang der Reichenberger Straße. Hier soll von nun an ein Präventions- und Gesundheitsbus sowie das Zahnmobil montags, mittwochs und freitags ein paar Stunden lang stehen, das hat ihnen das Bezirksamt genehmigt.

Am Donnerstag wollten die Sozialarbeiter von Fixpunkt eigentlich einen Tag der offenen Tür für die Anwohner am neuen Standort veranstalten und bei Kaffee ein bisschen plaudern. Mit diesem Widerstand hatten sie nicht gerechnet. Auf Knien diskutieren die Fixpunktmitarbeiter mit Sitzblockadebetreibern: „Ihr wisst schon, dass wir eine soziales Projekt sind und zur Lösung der Probleme helfen wollen, oder?“, fragt Ralf Köhnlein, der im Präventionsmobil arbeitet.

Vor allem die Anwohner aus den beiden Neubaukomplexen wollen hier keine „Fixer-Attraktion“

Auf dem Platz stehen bislang nur ein paar Bäume, Bänke und festgeschraubte Stühle. Doch es ist der einzige Ort am „Kotti“, wo man sich hinsetzen kann. Vor allem die Anwohner aus den beiden Neubaukomplexen wollen hier keine „Fixer-Attraktion“ vor der Tür. Dabei arbeiten die mobilen Hilfsstationen für Junkies seit 15 Jahren am Ort, bislang auf der anderen Seite des Kottbusser Tors, 20 Meter weiter. Eine Initiative von Bürgern und Gewerbetreibenden hat sie kürzlich dort vertrieben. Der Urin und die Spritzen seien nicht mehr erträglich, hatten sie erklärt. Einige Ladenbetreiber haben Fahrradständer in den Boden geschraubt, so dass die Busse nicht mehr auf den bisherigen Platz können.

Ercan Yasaroglu von der Bürgerinitiative sieht das Problem nicht in den Bussen, die saubere Spritzen verteilen und Beratung anbieten. Seine Wut richtet sich gegen die Bezirksverwaltung. Seit November 2008 gibt es einen Briefwechsel zwischen wütenden Anwohnern am Kotti und Bezirksbürgermeister Franz Schulz. Thema: Die Drogenszene im Viertel. Schulz hatte es zur „Chefsache“ erklärt, doch nun ist man enttäuscht: „Acht Monate später ist hier immer noch nichts passiert“, sagt eine Anwohnerin. Mildner-Spindler widerspricht: „Wir kümmern uns um eine Lösung“, sagt er. Der große Wurf sei nun mal nicht schnell zu machen. Die Anwohner überzeugen seine Worte nicht: „Acht Monate. Und nicht einmal eine Toilette wurde aufgestellt.“

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