Berlin : KPM – der Preis spielt keine Rolle

Drei Bewerber wollen die Königliche Porzellan-Manufaktur. Der Senat hat das Verfahren eröffnet, entschieden wird im Herbst

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Die Königliche PorzellanManufaktur (KPM) wird in wenigen Monaten privatisiert. Die heiße Phase im Auswahlverfahren beginne nach der parlamentarischen Sommerpause, heißt es beim Wirtschaftssenator. Der Tagesspiegel erfuhr, dass das Land Berlin – beziehungsweise die landeseigene Investitionsbank Berlin (IBB) als Eigentümerin – notfalls noch einmal in die Tasche greifen wird, um die Zukunft von KPM mit einer Liquiditätshilfe zu sichern.

Damit ist klar, dass der Betrieb der angeschlagenen Porzellanmanufaktur weitergehen wird. Beim Verkauf werden drei Bewerbern Chancen eingeräumt: dem Banker und Kaiser-Enkel Franz Wilhelm Prinz von Preußen, dem Kulturunternehmer Helmuth von Maltzahn und dem Berliner Mittelständler Hans Wall.

Die Voraussetzungen für eine Sanierung seien gut, bescheinigt ein neues Gutachten der Unternehmensberatung KPMG der traditionsreichen Porzellan-Manufaktur. Auf Grund dieser Expertise sehen Wirtschaftssenator Harald Wolf und die IBB keine Bedenken mehr, der Manufaktur bis zur Auswahl des Investors im Notfall „Liquiditätshilfen“ zu geben.

Das Geld wird die KPM brauchen. Sie verzeichnete Insidern zufolge im Jahr 2003 Verluste in Höhe von 1,5 Millionen Euro – und das, obwohl KPM weder Miete für die Gewerbeflächen zahlte noch im laufenden Betrieb wenigstens ausgeglichen abschloss. Die Altschulden sind denn auch der große Brocken, der vor der Privatisierung noch weggeräumt werden muss. Neben den Mietschulden sind das Pensionszahlungen im Wert von 15 Millionen Euro, die früheren Mitarbeitern versprochen wurden. Diese Kosten will keiner der Käufer übernehmen.

Einen großen Teil der Probleme wäre das Land auf einen Schlag los, wenn der Kaiser-Enkel als Käufer zum Zuge käme. Denn Franz Wilhelm Prinz von Preußen will nicht nur die KPM übernehmen, sondern auch die Immobilien. Diese sind im Eigentum einer ebenfalls landeseigenen Firma, der GSG. In die Kassen des Landes würden so – mittelfristig – Millionen fließen, die bei den anderen Bewerbern nicht zu erwarten sind. Der Prinz von Preußen setzt außerdem auf den Berlin-Tourismus: Nahe der KPM soll ein Hotel entstehen – mit der Fertigung königlichen Porzellans als Attraktion.

Die beiden anderen Investoren setzen dagegen auf das Kerngeschäft – und wollen dessen Hauptschwachstelle beseitigen: Vertrieb und Marketing. Hans Wall, mit dem Aufbau von Toilettenhäuschen und Bushaltestellen zum Berliner Vorzeigeunternehmer avanciert, will jährlich zwei Millionen Euro für die Werbung von KPM ausgeben. Der Kulturunternehmer Helmuth von Maltzahn hat sogar drei Millionen Euro pro Jahr in sein KPM-Marketing-Budget eingestellt – und Maltzahn will eine Multimediashow und Konzertveranstaltungen aufbauen: Gehobene Spaßkultur um die Vasen, Teller und Kaffee-Tassen herum soll auch den Absatz des Porzellans befördern.

KPM verkauft sein Luxus-Porzellan vor allem in Fachgeschäften. Die aber verschwinden nach und nach aus den Innenstädten, dem Hersteller gehen die Verkaufsstellen verloren. „Das Beste für KPM wäre eine klare Luxus-Strategie“, analysiert Thomas Kastl, Chef der Frankfurter Fachmesse Ambiente. Und weil die wenigsten Porzellan-Manufakturen dies aus eigener Kraft stemmen können, empfehlen Experten den Firmen Kooperationen: etwa mit dem Silberhersteller Robbe und Berking, mit Meißen oder der Hoechster Porzellanmanufaktur, die auch zum KPM-Bewerberkreis gehört.

Klar sei, dass KPM das Potenzial zu einer internationalen Porzellanmarke habe, so Kastl. Es müsse nur der Richtige gefunden werden, der dieses Potenzial erkennt und vorantreibt. Und zwar schnell: Denn dem Porzellanmarkt steht eine dramatische Änderung bevor: Zu Jahresbeginn fallen alle noch existierenden Handelsschranken: „Dann drängt qualitativ hochwertiges, aber sehr billiges Porzellan aus China auf den Markt. Diese Ware wird sicher ohne Markenstrategie vertrieben werden“, warnt Kastl. Das mittlere Preissegment werde über kurz oder lang verschwinden – nur wer selber rationalisiere und billig produziere oder aber sehr teuer verkaufen könne, werde überleben. Für die Bewerberkonsortien hieße das, dass es für niemanden ausreichen wird, KPM und seinen Standort am Tiergarten zu entwickeln. Sondern dass KPM überdies starke Partner braucht, um das eigene Porzellan verkaufen zu können. Gelingt das, „kann der Preis für das Porzellan einer Manufaktur gar nicht hoch genug sein“, macht Kastl Mut.

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