Krach an der Stadtbahn : Voll entdröhnt durchs Wochenende - ausnahmsweise

980 Züge fahren täglich über das Viadukt zwischen Ostbahnhof und Charlottenburg. Unser Autor leidet mit den Anwohnern - und freut sich über ein paar Infos zum Thema, die gerade zur falschen Zeit kommen.

von
Die reine Leere. Normalerweise sieht es am Bahnhof Friedrichstraße anders aus. Fast 1000 Züge fahren täglich über die Stadtbahntrasse durch die Berliner City.
Die reine Leere. Normalerweise sieht es am Bahnhof Friedrichstraße anders aus. Fast 1000 Züge fahren täglich über die...Foto: dpa

Das Leben ist so kurzlebig geworden! Kaum hat man sich gemerkt, dass Michael Müller Verkehrssenator ist, ist der Zug schon wieder abgefahren bzw. in diesem Fall durchgestartet, wenn dieses schiefe Bild erlaubt ist. Und seinen Verkehrsstaatssekretär Christian Gaebler nimmt Müller wohl gleich mit. Aber vor seiner beruflichen Neuorientierung hat Gaebler noch eine schriftliche Anfrage der Grünen-Abgeordneten Silke Gebel beantwortet. Da die Auskunft jetzt gerade veröffentlicht wurde und mit ihrem Titel „Wie laut ist die Berliner Stadtbahn?“ zu diesem Wochenende so kongenial passt wie die Verzögerung zum Betriebsablauf, setzen wir uns mal auf einen der vielen freien Gitterroststühle im Wartebereich der Abschnitte A bis E und lesen im blassblauen Schein der Laufschrift, was da so steht.

Also: „Im Schnitt verkehren auf der Stadtbahn in Berlin täglich rund 980 Züge“: rund 100 Fernzüge, 230 Regios, 650 S-Bahnen und „weniger als fünf“ sonstige Fahrten. Das müssen Baumaschinen, GDL-Saboteure, schlafwandelnde Liegewagen und dergleichen sein. Auch schön: „Bei der S-Bahn Berlin besteht Montag bis Freitag zwischen 1.30 und 4 Uhr Betriebsruhe.“ Rund 200 der theoretischen knapp 1000 Züge fahren übrigens trotzdem nachts, also zwischen 22 und 6 Uhr. Unsere Gedanken sind deshalb jetzt bei jenen – laut Gaebler – 800 Menschen, in deren Wohnungen wegen der Bahntrasse nachts sonst mehr als 65 Dezibel herrschen. Das ist so viel, dass man als Besucher nachts im Zweiminutentakt kerzengerade auf dem Gästebett stünde. Die langjährigen Anwohner jedoch („Ick hör’ dit jar nich’ mehr!“) dürften von der GDL um den Schlaf gebracht sein, wenn die Wände zum Einschlafen nicht mehr wohlig wackeln und die Gläser still in der Vitrine herumstehen, als gehörte Klappern nicht zum Handwerk.

Was tut man also, wenn man wegen dieser verdammten Stille kein Auge zukriegt? Man liest weiter und erfährt, dass an sieben Brücken „Entdröhnungsmaßnahmen“ erprobt wurden. Über sieben Brücken musst du dröhn’ … – Singen hilft ja manchmal bei Schlafstörungen. Und am Montag müsste die Bahn wieder fahren.

2 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben