Krach im Anflug : Initiative in Berlin-Spandau klagt über Fluglärm

Wenn die Maschinen abheben vom Flughafen Tegel, donnern sie über die Havel hinweg und damit über die Köpfe vieler Spandauer. Es gibt Protest - doch der hält sich offenbar in Grenzen.

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Im Tiefflug über Spandau. Im Bild ein Flugzeug, das gerade in Tegel gestartet ist und die Havel überquert.
Im Tiefflug über Spandau. Im Bild ein Flugzeug, das gerade in Tegel gestartet ist und die Havel überquert.Foto: Imago/Stock&People

Die Belastung durch Fluglärm wird für die Spandauer seit eineinhalb Jahren, seit der geplatzten Eröffnung des neuen Großflughafens eben, immer größer. „Schließt endlich den Flughafen Tegel!“ fordern deshalb eine Bürgerinitiative und Politiker. Vorerst wird es wohl bei der reinen Forderung bleiben, lautete am Wochenende die Einsicht nach einer schwach besuchten Diskussionsveranstaltung im Spandauer Rathaus.

Drinnen standen Transparente mit Aufschriften wie „Unsere Geduld ist bald zu Ende“. Aber eben nur bald. Der Markt vor dem Rathaus war deutlich besser besucht als die Diskussion. Nur etwa 70 Interessierte waren der Einladung der Bürgerinitiative gefolgt. „Es geht um die Gesundheit und die Lebensqualität von vielen 100.000 Menschen“, sagte Bezirksbürgermeister Helmut Kleebank (SPD) und schränkte ein, seine Vorstöße auf Landesebene könnten „nur appellativen Charakter“ haben. Die Möglichkeiten für einen Bezirkspolitiker, bei dem Thema etwas zu bewirken, seien „äußerst gering“.

BER-Untersuchungsausschuss: "Wir haben uns verarscht gefühlt"

„Wir haben uns als Parlamentarier verarscht gefühlt“ sagte Martin Delius, Vorsitzender des BER-Untersuchungsausschusses im Abgeordnetenhaus, zum Verhalten von Flughafen-Geschäftsleitung und Aufsichtsrat. Harald Moritz (B90/Grüne) warf den Verantwortlichen vor, stets das höchste Risiko gewählt zu haben. „Sie als Spandauer haben jetzt die Suppe auszulöffeln.“

Zum Beispiel Petra Fischer. Sie hat sich vor vier Jahren ein Häuschen am Schnepfenreuter Weg in Hakenfelde gekauft und geglaubt, dass es dort ab Juni 2012 ruhig wird. Seit einem Jahr klagt sie vergebens, fordert Schadenersatz oder zumindest einen Schallschutz. „Was mich aufregt, ist, dass die Flughafengesellschaft immer so tut, als würden wir uns alles nur einbilden“, sagt sie.

Für Rechtsanwalt Karsten Sommer, der bundesweit Fluglärmgeschädigte vertritt, ein typischer Fall. Klagen, um Betriebseinschränkungen zu erreichen, hätten keine Erfolg, die für mehr Lärmschutz zögen sich Jahre hin. Nur wer gesundheitliche Schäden nachweisen könne, hätte Chancen auf ein Eilverfahren. „Dazu müsste ich aber nachweisen dass mein Bluthochdruck und das Augenzucken tatsächlich von der Lufthansa-Maschine um 23 Uhr verursacht wurden“, sagt Petra Fischer.

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