Berlin : Krach um Sabine Christiansen: Architekt gegen Fernsehstudio im Glaspalast

Matthias Oloew

Unterm Dach ist Herbst. Und zwar das ganze Jahr. Nach dem Willen des Architekten Günter Behnisch ist das Glasdach mit einer bedruckten Folie dekoriert, die herbstlich bunte Blätter zeigt. Das nimmt dem tonnenschweren Dach aus sechs Lagen Glas die Leichtigkeit, die eigentlich durch die filigranen Säulen, auf denen es ruht, noch unterstützt werden sollte. „Die Säulen sind eine statische Meisterleistung“, sagt Michael Réthy, Projektleiter der Stadtentwicklungsverwaltung. Die Säulen sind es aber nicht, die dem Besucher unterm Dach des Neubaus für die Akademie der Künste als Erstes auffallen. Es ist die Terrasse mit Blick auf den Pariser Platz – eine Postkartenansicht. Links Brandenburger Tor, Kanzleramt und Reichstag, in der Mitte die Französische Botschaft und rechts das Adlon. Nur ausgesuchte Gäste werden allerdings diesen Blick genießen können, denn unterm Dach sollen die Akademie-Mitglieder unter sich bleiben. Hier hat der Präsident auch seinen Ruheraum.

Sein Büro und die der Sekretariate für die sechs künstlerischen Sektionen der Akademie sind ein Stockwerk tiefer. Sie haben ebenso einen schönen Blick auf den Platz, aber auch in den neuen Plenarsaal mit Zuschauerbalkon. Hinter den Kulissen war auch in der Diskussion, den Saal für Fernsehsendungen wie der Talkshow von Sabine Christiansen zu nutzen. Kaum hatte Architekt Günter Behnisch davon erfahren, protestierte er. „Ich war immer dagegen“, sagt Behnisch, „denn ein Fernsehstudio benötigt so üppige Einbauten, das hätte überhaupt nicht gepasst.“ Michael Heiks, Geschäftsführer der Produktionsfirma von „Sabine Christiansen“, dementiert diesen Plan. Er habe lediglich die Akademie beraten, welche baulichen und technischen Voraussetzungen erfüllt sein müssten. „Das war ein kostenloser Freundschaftsdienst“, sagt er. Das Land, so heißt es nun, hat ohnehin kein Geld, um die nötige Technik zu bezahlen.

Öffentlich werden in der neuen Akademie nicht nur die Bibliothek mit einem kleinen, aber sehr feinen Lesesaal sein, sondern auch die Ausstellungsräume der im Gebäudekern erhalten gebliebenen Ruine. Öffentlich bleibt auch eine Passage, die sich quer durch das Gebäude zieht. „Es gibt eine Vereinbarung, dass dieser Gang täglich bis 22 Uhr geöffnet bleibt“, erklärt Projektleiter Réthy. Das bedeutet: Fußgänger werden künftig durch das Gebäude schlendern und dabei vom Pariser Platz zur Behrenstraße gelangen können. Und Kaffee werden sie auch trinken: „Ein kleines Café ist in der Gebäudemitte vorgesehen“, sagt Réthy.

Eine zweite Passage wird allerdings nur bei Bedarf geöffnet und ist in erster Linie für Autos vorgesehen. Zwischen der Akademie und der benachbarten DZ-Bank werden Autos vom Pariser Platz bis zur Behrenstraße fahren können. Sowohl die Akademie, als auch das Adlon und die DZ-Bank wollen diese Passage nutzen. Wenn nämlich die US-Botschaft fertig ist, werden Gäste der Bank wegen der Sicherheitsabsperrungen nicht mehr vorfahren können. Chauffeure können künftig bis zur Akademie fahren, ihre Gäste aussteigen lassen und dann durch die Passage zur Behrenstraße fahren. Dieses Problem ist immerhin gelöst.

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