Berlin : Krach wegen Lärms: Zu laut getrommelt und gepfiffen

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Krach wegen Lärm: Der Berliner Landeskanuverband fühlt sich vom Bezirk ungerecht behandelt. Grund für die Auseinandersetzung ist ein Ordnungswidrigkeitsverfahren, das jetzt vom Köpenicker Umweltamt gegen den Verband eingeleitet wurde. So wirft die Behörde den Sportlern vor, während der 30. Deutschen Meisterschaften im Kanupolo ruhestörenden Lärm verursacht zu haben. An der Grünauer Regattastrecke soll es an drei Tagen im September zu "Lärm durch Lautsprecheransagen sowie Trommeln, Pfeifen und Brüllen" gekommen sein, heißt es im Schreiben des Umweltamtes an den Kanuverband. Für eine Sportveranstaltung eigentlich nichts Ungewöhnliches. Doch Anwohner fühlten sich gestört und erstatteten Anzeige. Schirmherr der Veranstaltung war - Bezirksbürgermeister Klaus Ulbricht (SPD).

Auf die geforderte Stellungnahme wird der Bezirk aber vermutlich vergeblich warten. Denn Verbandspräsident Wolfgang Grothaus kündigte gegenüber dem Tagesspiegel an, dass er sich dazu nicht äußert. "Ich erwarte vom Bürgermeister, dass er die Angelegenheit klärt." Er empfinde das eingeleitete Verfahren als außerordentlich beschämend und sieht dadurch das ehrenamtliche Engagement einer monatelangen Vorbereitung der Deutschen Meisterschaft mit Füßen getreten. "Wenn sich der Bezirk zum Handlanger einer dubiosen Bürgerbewegung macht, wird sich der Sport auch zu wehren wissen", droht der Präsident. Und augenzwinkernd fügte er hinzu: Wenn es tatsächlich zu einem Verfahren kommt, wolle er den Bürgermeister Klaus Ulbricht und Sportstadtrat Dirk Retzlaff (PDS) beschuldigen, sie hätten am lautesten gebrüllt. Schließlich besuchten auch beide die Wettkämpfe.

"Das Umweltamt hat völlig korrekt gehandelt, es muss auf die Beschwerden der Bürger reagieren", verteidigt der zuständige Stadtrat Ernst Welters (PDS) das Verfahren. Er habe statt dessen den Eindruck, der Kanuverband suche die Konfrontation und ignoriere die rechtsstaatlichen Bestimmungen. Welters will sich dennoch für eine Lösung des Konflikts einsetzen und dazu das Gespräch mit allen Beteiligten führen. Bei künftigen Veranstaltungen sollte das allerdings vorher geschehen. Gleichzeitig räumt der Stadtrat ein, dass man mit der Regattastrecke noch nicht so große Erfahrungen gesammelt habe. Für den Landeskanuverband hätte es deshalb auch keine speziellen Auflagen zur Lärmminimierung gegeben. Allerdings könnten die Bewohner einer nahe liegenden Sportstätte auch nicht absolute Ruhe erwarten. "Dafür leben sie nun mal in einer Großstadt", sagt Welters. Ob der Bürgermeister und der Sportstadtrat nicht doch ein bisschen mitgebrüllt haben, wird wohl niemand genau klären können.

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