Berlin : Kräftemessen an der Kaufhauskasse

Der Streit um die Bezahlung an den langen Sonnabenden führt zu Warnstreiks in Berliner Geschäften

Cay Dobberke

Mit Warnstreiks im Einzelhandel versucht die Gewerkschaft Verdi, Tarifzuschläge beim Sonnabend-Verkauf bis 20 Uhr durchzusetzen. Am Mittwoch waren Karstadt und Wertheim an der Steglitzer Schloßstraße betroffen. Von 6 bis 11 Uhr legten einige Mitarbeiter die Arbeit nieder. Laut Verdi machten rund 200 Beschäftigte mit, während Nils Busch-Petersen vom Einzelhandelsverband die Zahl auf höchstens 60 schätzte. Beide Kaufhäuser öffneten leicht verspätet ihre Türen. Welche Geschäfte in den kommenden Tagen bestreikt werden könnten, ist unklar – die Gewerkschaft gibt ihre Aktionen immer erst kurzfristig bekannt.

Die Verhandlungen über einen neuen Manteltarifvertrag waren am Dienstagabend ergebnislos abgebrochen worden. Am gestrigen Nachmittag zeigte sich der Verdi-Verhandlungsführer Manfred Birkhahn aber zu neuen Gesprächen am Freitag oder Sonnabend bereit.

Der Hauptstreitpunkt sind nicht die normalen Gehaltserhöhungen, obwohl die Vorstellungen auch dort auseinander liegen. In erster Linie geht es darum, wie Verkäufern und Kassierern die sonnabendlichen Arbeitszeiten nach 14 Uhr vergütet werden. Verdi-Gewerkschaftssekretärin Sabine Zimmer spricht von „unattraktiven“ Stunden, weil das Wochenende verkürzt werde und weniger Zeit für Kinder und Familie bleibe.

Bisher gibt es einen Zuschlag von 25 Prozent als „Zeitgutschrift“ – die Mitarbeiter bekommen einen Freizeitausgleich. An zwei Sonnabenden pro Monat können die Händler ihre Mitarbeiter bis jetzt aber zuschlagsfrei nach 14 Uhr arbeiten lassen. Dies hatte bis zum Juni weniger Bedeutung, weil die Läden in der Regel nur bis 16 Uhr öffnen durften. Nun will der Einzelhandelsverband einen zuschlagsfreien Sonnabend pro Monat behalten. Dies sei auch „in den meisten anderen Bundesländern so vereinbart worden“, sagt Busch-Petersen. Von der Gewerkschaft heißt es hingegen, andernorts gebe es zuschlagsfreie Sonnabende überwiegend nur vor Weihnachten oder für Kleinbetriebe.

„Verdi will den teuersten Abschluss in der Stadt mit der schlechtesten Einzelhandelsentwicklung“, kritisiert Busch-Petersen. Die Arbeitgeberseite habe versucht, „unnötiges Kräftemessen zu vermeiden“ und „gleich ein abschlussfähiges Angebot vorgelegt“. Sollte der Arbeitskampf nicht schnell beendet werden, sei dies „katastrophal“.

Kaum Bedeutung hat der Streit allerdings für viele Läden in Randbezirken oder kleineren Einkaufsstraßen. Dort schließen die meisten Geschäfte sonnabends ohnehin schon zwischen 14 und 16 Uhr.

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