Berlin : Kragen geplatzt: Arzt sperrte Mitarbeiterin ein Mediziner am Neuköllner Klinikum

war über Kontrollbericht verärgert

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Manchmal spielen sich auf den real existierenden Krankenhausfluren in Berlin dieselben Dramen ab wie in den unzähligen Arztserien im Fernsehen. Hier wie dort sind Ärzte mal nie irrende Halbgötter, mal genervte Chefs, die mit Fehlern und Ungerechtigkeiten ihren Untergebenen das Leben schwer machen. Hier wie da verlieren auch leitende Ärzte mal die Beherrschung und greifen zu drastischen Maßnahmen, um Mitarbeiter zu disziplinieren.

Aber was sich der reale Dr. F., leitender Arzt im Klinikum Neukölln, unlängst ausdachte, ist von Seltenheit: Eine hauseigene Controllerin hatte über seine Station einen Bericht verfasst, der F. nicht behagte. Er wurde unwirsch. „Schreiben Sie das um“, soll er die Frau angeherrscht haben. Doch die Controllerin weigerte sich beharrlich: „Lieber lass’ ich mich krankschreiben.“ Darauf er: „Verlassen Sie meine Station!“ Sie rief: „Nein.“ Und da platzte dem Arzt sein weißgestärkter Kragen. Er drängte die Frau in einen Nebenraum und sperrte sie kurzerhand darin ein.

Die Freiheitsberaubung dauerte nur Minuten, denn der Arzt bereute die Tat schnell und schloss die Tür wieder auf. Aber es reichte aus, um dem Mediziner eine Menge höchst realen Ärger zu bescheren. Die Mitarbeiterin hat Strafanzeige gegen den Arzt gestellt und einen Anwalt eingeschaltet. Auch der Betriebsrat droht mit einem Verfahren. Von der Leitung des landeseigenen Krankenhauskonzerns Vivantes, zu dem das Neuköllner Klinikum gehört, wird ein Disziplinarverfahren gegen F. vorbereitet.

„Solch eine Situation kann man nicht akzeptieren“, heißt es aus der VivantesChefetage. Man missbillige das Vorgehen des leitenden Mediziners. Im Übrigen wolle man sich aber nicht zu einem schwebenden Verfahren äußern. Auch F. selbst lehnt jede Stellungnahme ab.

Auf den Fluren des Klinikums wird immer noch getuschelt. „Der war doch immer so nett“, sagen einige verständnisvoll. Und die Mitarbeiterin wurde mittlerweile auf eigenen Wunsch an eine andere Klinik versetzt.

Wie im richtigen Fernsehen. I.B.

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