Berlin : Krank im Ausland – Hilfe aus der Charité EKG, Blutbild, Röntgen per Internet.

Ärzte testen Fernmedizin erfolgreich in Indien

Ingo Bach

Es ist der Alptraum vieler Urlauber. Man wird an einem fremden Ort schwer krank und muss sich behandeln lassen von einem Arzt, dem man sich nur schwer verständlich machen kann. Doch die Wissenschaftler der Charité haben die Telemedizin so weiterentwickelt, dass es bald möglich sein wird, Ärzte aus Deutschland virtuell an ein Krankenbett in aller Welt zu holen. Bei einem Testlauf ist es jetzt gelungen, Angehörige der Deutschen Botschaft im indischen Neu-Delhi von Berlin aus medizinisch zu betreuen. Nach diesem erfolgreichen Test plant die Charité bereits einen globalen telemedizinischen Service für deutsche Touristen. Damit baut die Charité ihre Kompetenz in Sachen weltweiter Notfall weiter aus. Wie berichtet, testet das Klinikum derzeit gemeinsam mit der Lufthansa ein Notfallgerät zur Untersuchung und Behandlung in Flugzeugen.

Entscheidend für diese neue Methode ist die Entwicklung der Breitband-Internettechnologie. Nur sie ermöglicht die Übertragung solch riesiger medizinischen Datenmengen. Viele Firmen forschen an der Technik – auch in Berlin. Die Charité gehört zu den europäischen Vorreitern. Der aktuellste Erfolg: Ab sofort können Röntgenbilder digital aufgenommen und per Internet verschickt werden. Doch der neue Telemedizincomputer kann noch mehr: Er zeichnet vollautomatisch EKGs auf oder misst Blutwerte. Diese Daten werden dann über das weltweite Netz an einen Arzt in Deutschland übertragen, der zusätzlich mittels einer Internetkamera den Patienten in Augenschein nimmt. So kann er per Ferndiagnose Behandlungsempfehlungen geben. Was an Bord von Flugzeugen und in Botschaften gerade getestet wird, soll bald auch in ICE-Zügen, auf Hochseeyachten oder Arktisstationen möglich sein.

„Technisch funktioniert das alles bereits“, sagt Manfred Dietel, Telemedizin-Beauftragter der Charité. Aber noch fehlt es an den Kooperationsverträgen. Derzeit verhandele man mit dem Auswärtigen Amt, entsprechende Medizincomputer für die Ferndiagnose in den deutschen diplomatischen Vertretungen zu installieren. So wäre es möglich, auch deutsche Touristen oder im Ausland wohnende Mitarbeiter von deutschen Firmen mitzubehandeln. Einige Urlauber fühlen sich besser, wenn sie noch eine zweite Meinung zur Diagnose einholen könnten. Das Auswärtige Amt sei „sehr interessiert an der Technik“, sagt ein Ministeriumssprecher. Deshalb führe man Gespräche – etwa mit der Charité und dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt.

Ebenso interessiert zeigen sich Versicherungen, die einen Auslandskrankenschutz anbieten. „Wir haben schon einige Anfragen von solchen Unternehmen“, sagt Dietel. Denn wenn man Arztpraxen in Urlaubsregionen über eine stabile telemedizinische Verbindung mit deutschen Medizinern verbinden könne, dann ließe sich so mancher teure und für den Patienten auch belastende Rücktransport mit dem Flugzeug vermeiden.

Um der erwarteten Nachfrage gerecht zu werden, arbeitet die Charité an einem permanent mit Ärzten besetzten CallCenter. „Die Technik steht am Standort in Mitte bereit“, sagt Dietel. „Sobald es konkrete Verträge gibt, geht das Zentrum binnen zweier Wochen in Betrieb.“

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