• Krankenhäuser streiten heftig über Bettenabbau Charité-Manager im Clinch mit Vivantes und Krankenkassen

Berlin : Krankenhäuser streiten heftig über Bettenabbau Charité-Manager im Clinch mit Vivantes und Krankenkassen

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In Berlin müssen Tausende Krankenhausbetten abgebaut werden. Nachdem im Streit um den neuen Krankenhausplan die Front bisher zwischen Krankenkassen und Kliniken verlief, liefern sich jetzt die Krankenhäuser untereinander eine heftige Auseinandersetzung um die derzeit insgesamt 23 000 Klinikbetten. Denn die Verhandlungen über den Krankenhausplan gehen im September in die entscheidende Runde. So bot der Verwaltungsdirektor der Charité, Bernhard Motzkus, zwar an, in seinem Klinikum 500 Betten abzubauen, forderte aber gleichzeitig, dass die landeseigene Klinikgruppe Vivantes vier mal so viele streichen soll. Die bietet aber nur 1000 an. Motzkus hatte diesen Vorschlag in einem vertraulichen Gespräch mit dem Berliner Ersatzkassenverband geäußert. „Vivantes hat doppelt so viele Betten, wie beide Universitätskliniken“, sagt Motzkus. Und da in der Hochschulmedizin insgesamt 1000 Betten wegfallen könnten, müssten es bei Vivantes doppelt so viele sein. Überall ein bisschen zu reduzieren, das bringe nichts, meint Motzkus. „Ganze Standorte stehen zur Disposition.“

Der Charité-Manager will einen Solidarpakt aller Krankenhäuser und -kassen, um einen gerechten Abbau von Bettenkapazitäten in Berlin zu erreichen. Doch mit seinen Überlegungen hat er zunächst einmal das Gegenteil erreicht, nämlich Verärgerung bei seinen Kollegen. Vivantes-Chef Wolfgang Schäfer weist die Vorschläge brüsk zurück: „Herr Motzkus sollte sich besser um seine eigenen zahlreichen ungelösten Probleme kümmern. Es ist billig und eine Unverschämtheit, Streichungen nur bei anderen zu fordern.“

Die Krankenkassen aber nehmen die Charité beim Wort. Karl-Heinz Resch, Leiter des Berliner Ersatzkassenverbandes, greift das Argument von Motzkus auf: „Nach seiner Logik müsste die Charité 1000 Betten abbauen, denn sie verfügt über doppelt so viele Betten wie das Benjamin Franklin, von dem er 500 Betten fordert. Wir sind sehr gespannt auf die konkreten Vorschläge der Charité." Mehr Unibetten will auch der Chef der Berliner AOK, Rolf D. Müller, kassieren. Er begrüßt zwar den Vorschlag eines Solidarpaktes: „Allerdings nur auf der Basis unserer Vorstellungen, die wir im Juli vorgestellt haben.“ Die Forderung der Krankenkassen damals: 1850 Betten weniger in der Hochschulmedizin.

Dies bringt Motzkus in Rage. „Dann werde ich den Wissenschaftsrat bitten, die jetzige Bettenzahl in den Unis festzuschreiben.“ In Berlin und Brandenburg gebe es im Bundesvergleich nur eine unterdurchschnittlich Anzahl von Uniklinikbetten. Ingo Bach

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